Diese Lady leidet an einer stadtbekannten Rudelcachephobie. Und diese Lady ist ebenso berühmt berüchtigt für den Satz “Mennooooo – da hätte man RANFAHREN können!!” Gepaart mit einem vorwurfsvollen Blick in Richtung meiner besseren Hälfte, der WIEDER mal nicht bereit war, einen Trampelpfad als Straße oder seinen Astra als Jeep zu definieren.
Was also bewegt eine sozialphobische, lauffaule Cacherin, sich zu einem Wander-Mega-Event anzumelden?
Keine Ahnung!
Aber irgendwie klang die Idee ganz gut: Man läuft in kleinen Gruppen bei schönstem Maiwetter einen Nachmittag lang durchs brettflache Holland, zwischendurch gibts Pappbrötchen mit Käse und frische Kuhmilch … eine lauschige, nette Idee, 10! years Geocaching zu feiern!
Und so fand ich mich dann tatsächlich inmitten eines Pulkes in einer Campingplatzhalle in Nijmegen wieder.
Man erklärte die Startaufgabe, es fanden sich die Teams zusammen und Übersetzer waren sehr gefragt. Nicht, daß es die Aufgabenzettel nicht auch auf Deutsch gegeben hätte … doch der deutsche Text kam offensichtlich frisch aus dem Google Translator und fügte der Difficulty locker noch ein D-Sternchen hinzu…
Frohen Mutes machten wir (DocSlyper, Lady Allista, izaseba, Düsselduck, Millhouse, TeamPaul und MKW) uns also auf die Socken. Was heißt “machten uns auf die Socken” … MKW, der alte Fuchs, ist bekanntlich momentan im Dauer Trainingslager für seine München-Venedig Tour, und legte ein Tempo vor, als wollte er direkt bis Venedig durchrennen!
Ich hatte fast gar keine Probleme, da mitzuhalten … was macht es, daß meine Beine drei Meter kürzer sind, als seine; und mein Hintern dafür doppelt so dick… ich brauchte zwischenzeitlich nur einen kleinen Sprint einzulegen; schon konnte ich die Gruppe am Horizont wiedersehen. Ich hätte ihm gerne gesagt “Ey, wenn ich 30km JOGGEN will, melde ich mich bei einem Marathon an!” Wenn ich ihn eingeholt hätte.
Einzig Paul, die treue Seele, wartete immer, bis ich auch vorbei war, um dann wieder nach vorne zu rasen, in der Hoffnung, jemand aus der Gruppe würde sich zum Stöckchenwerfen bereit erklären.
So ein verspielter Hund ist übrigens unglaublich niedlich. Zumindest auf den ersten 7 km. Am Ende des Tages ging er zunehmend fremd und versuchte, die Mitglieder anderer Gruppen zu begeistern, die sich auch ganz richtig noch darüber freuten – wir hatten nach 5 Stunden Stöckchenspielen einfach genug.
In der Zwischenzeit hatte sich das erhoffte, laue Maiwetter in einen ausgewachsenen Landregen verwandelt; mit kurzen gewittrigen Abschnitten. Und wenn ich den erwische, der mir erzählt hat, in Holland gäbe es keine Berge!
Es GIBT Berge in Holland. Und wir haben sie alle gefunden…
Der Weg zog sich also durch alpines Gebiet mit durchaus lauschigen Plätzchen; Heide wechselte sich mit dunklem Wald und plätschernden Seen ab. Flora und Fauna waren beeindruckend; nur das Vogelgezwitscher ging in meinem verzweifelten Schnaufen unter…
Ein paar Impressionen vom Weg:
Kurz vor der erhofften Mittagspause machte es dann zu allem Überfluß in meinem linken Oberschenkel “Knacks” und ein Nerv hatte sich eingeklemmt. So ging ich dann wie einstens die kleine Meerjungfrau auf dem Weg in ihr Verderben; tausend Messer stachen in meine Beine und ich wünschte mir nichts so sehr, wie mich ebenfalls in eine Tochter der Luft zu verwandeln und die restlichen 15 (noch FÜNFZEHN!!) km über den holländischen Mittelgebirgswald zum Parkplatz zu schweben.
Die erhoffte Pause war dann der nächste Schock: Es gab nur Stehtische. Im Stehen wurden die holländischen Brötchen (oder was man da so nennt) verzehrt, im Stehen über den anhaltenden Regen geschimpft und eh ich auch nur meine Milch ganz ausgetrunken hatte, blies MKW, der Sklaventreiber, schon wieder zum Aufbruch.
Die zweite Hälfte der Reise verwischt in meiner Erinnerung zu einem Schleier aus Schmerzen; schwindender Hoffnung, Regen und dem Stoßseufzer “Sind wir schon einstellig??”
Inzwischen war ich ganz froh über den Regen, tarnte er doch das eine oder andere Tränchen. Aber es half ja nix – ich konnte mich nicht in den Wald setzen und weinen, ich mußte schließlich zurück zu dem verdammten Parkplatz!!
Irgendwie konnte ich die wirklich schönen und einfallsreichen Aufgaben gar nicht so richtig würdigen – alles ging unter in der existentiellen Frage “Sind wir schon einstellig???”
Und irgendwann waren wir einstellig.
Das Ziel kam in erreichbare Nähe; also, was man so erreichbar nennt. Normalerweise finde ich 7 km ziemlich viel, aber an dem Tag erschien es mir so lauschig, wie sonst die letzten 300 Meter zum Cache…
Das eine oder andere D-Sternchen zusätzlich bescherte uns dann das Wetter – offensichtlich war nur die HOLLÄNDISCHE Version mit dem Laserdrucker gedruckt worden! – und hielt uns noch etwas auf.
Und irgendwann kam der große Moment – wir waren wieder dreistellig. Nämlich in Metern. 500, 400, 300 …
Und bin ich nicht eine kamerageile Sau? Da komme ich auf dem Zahnfleisch ins Ziel, kann kaum noch “Piep” sagen, will mich eigentlich nur noch hinsetzen und weinen – Moment, Presse?? CHEESE!
Und da waren sie wieder. Naß bis auf die Haut und – für meinen Teil – komplett erledigt.
Selbst der Hund schien langsam etwas weniger agil.
Die Partystimmung hielt sich dann auch in Grenzen.
Trööt!
Aber immerhin: Geschafft!!!
Wieder zu Hause dauerte es qualvolle Minuten, den Weg vom Auto zur Haustür zu bewältigen. Nein, ich möchte nicht alt werden. Ich weiß jetzt, wie sich das anfühlt!
Mein Herzallerliebster zog mich zu Hause aus, wie ein kleines Kind (weder Schuhe aufbinden, noch BH öffnen waren im Moment im Rahmen meiner Möglichkeiten…), hob mich in die warme Badewanne und drückte mir ein großes Glas Rotwein in die Hand.
Und dann begann das große Wunder, das den Frauen vorbehalten ist: Egal, wie schwer und lange und schmerzhaft die Geburt war… ich fing an, zu lächeln, dann dümmlich zu grinsen. Die Finger und Zehen des kleinen Wunders zu zählen. Und war auf einmal nur noch duselig glücklich.
Nein, ich war NICHT fit genug für diese Tour. Aber ich habe sie überlebt. Und jetzt bin ich stolz darauf!
Und nachdem der Muskelkater abgeklungen und die Wunden verheilt sind, kann ich sagen: Man, war das geil!
Was ein toller Tag, was eine geniale Art, den zehnten Geburtstag von Geocaching zu feiern!
Und was ein GLÜCK, daß ich morgen nicht nochmal los muß!
Happy Caching!
Die Lady
PS: Vielen Dank ans Orga Team für die wirklich gelungene Organisation, an DocSlyper für die Altenpflege, an MKW, der dafür sorgte, daß wir als 7. gestartete Gruppe als 3. (!!) ins Ziel kamen und an izaseba für die genialen Bilder!


Dann bist Du doch jetzt optimal im Training wenn der “Batteries not included” wiederkommt (kommen sollte)….
Ein sehr schöner Blog, der das erlebte perfekt wiederspiegelt
Da wir auch an diesem Jogging teilgenommen haben, können wir sehr gut mitreden.
Aber aus der Perspektive der Zeit sieht alles wieder toll aus.
Und bedenke, das werden wir nie vergessen
Lieben Gruß
Isa und Sebastian