Jetzt wohnt Herbert schon eine ganze Weile bei mir. Zeit, mal wieder über ihn zu berichten.
Zugegeben – das momentane Schmuddelwetter trägt natürlich nicht dazu bei, dass Herbert viel an die frische Luft kommt. In der Regel weigere ich mich, auch nur einen Schritt nach draußen zu machen, sobald die ersten Tropfen fallen.
Hier habe ich mal eine Ausnahme gemacht – immerhin habe ich nur sechs Wochen Zeit, um Herbert so richtig gut kennen zu lernen. Nur Bilder gibt es leider nicht von der Fahrt, denn meine Outdoorkamera bekomme ich erst in den nächsten Tagen… 
Also, kurzerhand den Herbert geschnappt und ab um den Block und in den Park gefahren.
Die gute Nachricht ist: Der Herbert schafft es auch auf (festen) Parkwegen.
Die schlechte Nachricht ist: ICH schaffe das (noch!) nicht… :/
Auf ebenem Asphalt gehts jetzt schon ganz gut, aber sobald es uneben wird, habe ich noch deutliche Probleme. Von bergauf ganz zu schweigen… aber dazu kommen wir später!
Nach dem Regenausflug stellten sich ein paar ganz logische Fragen:
Was tun, wenn der Herbert mal nass wird? Föhnen? Abtrocknen? Einfach trocknen lassen? Ist der eigentlich rostfrei oder eher ein Schönwettergefährt(e)?
Desgleichen die Frage nach der Reinigung: Wie mache ich ihn überhaupt nass, bevor ich ihn trockenlege (wofern das nicht der Regen erledigt…)? Hochdruckreiniger? Gartenschlauch? Handbrause? Feuchter Lappen?
Vor allem auch zwischen den Rädern. Muss man die Räder ab und zu nachfetten oder mit Ballistol einsprühen? Generell: Muss man irgendwo nachfetten, gibt es einen Pflegerhythmus?
Also habe ich mich an unser wandelndes AeYo Lexikon Herrn Epstein gewandt. Der schreibt nicht nur in ganzen, sondern sogar druckreifen Sätzen und ich brauche die Antworten tatsächlich nur noch zu kopieren (*hachmach*)
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Generell ist zu sagen: Der AeYO wird ja kaum permanent im Freien verbleiben. Dafür ist er zu handlich und kompakt. Auch ein Fahrrad sollte natürlich nicht permanent draußen bleiben, auch wenn man immer wieder sieht, dass das vorkommt.
Der AeYO besteht fast ausschließlich aus Aluminium und Kunststoff. Da, wo Stahl eingesetzt wurde, ist er natürlich verzinkt oder anderswie gegen Korrosion geschützt. Auch wenn da mal die Beschichtung abgehen sollte wird nicht viel passieren sofern er die Gelegenheit bekommt zu trocknen, wenn er mal nass wurde.
Die schwarzen Schrauben sind evtl. etwas anfällig gegen Rost, insbesondere die beiden oben auf dem Lenker-Vorbau, weil sich da Regenwasser sammeln kann.
Das hat aber alles immer nur optische Konsequenzen. Bis da was durchrostet würden Jahre vergehen und auch dann ließen sich diese wenigen kleinen Teile problemlos gegen andere austauschen. Da der AeYO in Deutschland konstruiert wurde, sind auch nur Schrauben nach DIN Norm im Einsatz: Abgesehen davon, dass wir natürlich alle Komponenten immer vorhalten (müssen, weil wir ihn ja hier fertigen) kann man sich also im Grunde genommen fast immer selbst behelfen, wenn sich mal eine Schraube oder Mutter zB selbständig gemacht haben sollte oder aus einem anderen Grund ausgetauscht werden muss.
Zum Reinigen kann man ohne Weiteres jede der von Ihnen vorgeschlagenen Methoden benutzen, wird alles funktionieren. Einfach hinterher abtrocknen.
Zwei Themen sind im Zusammenhang mit Nässe und Verschmutzung allerdings wirklich zu beachten: Das sind die Beingelenke und die Skaterollen.
Zuerst die Gelenke: Da haben wir einmal das im übertragenen Sinn „Hüftgelenk“, das ist das Gelenk mit den kleineren roten Scheiben in denen eine dicke Schraube sitzt, und die AeYO Beine mit dem Roller verbindet, und zum anderen das sogenannte „Kniegelenk“, das ist das auffallende Teil mit der großen, roten, hohlen Achse und den drei kleinen Schrauben.
In diesen Gelenken passiert im Laufe der Zeit ein bissl was durch die permanente Bewegung, so dass es ein wenig Materialabrieb gibt, insbesondere am Kniegelenk.
Zusammen mit Nässe kann das zu Quietschgeräuschen führen. Die wiederum treten meistens am Hüftgelenk auf….
Zwei Abhilfen:
1. Die „Quick and dirty“ Methode: Einfach WD-40 (http://www.wd40.de/gibt es in jedem Baumarkt etc.) in die Gelenke spritzen, paar Mal hin und her bewegen, fertig.
2. Die sorgfältige Methode: Gelenke aufschrauben, zerlegen, reinigen, trotzdem gern mit WD-40 einsprühen, wieder zusammenbauen.
Ist kein großer Akt, kann man wirklich ein-zwei Mal im Jahr machen, und so lernt man seinen AeYO besser kennen.
Aber meistens langt Methode 1 um etwaiges Quietschen zu beseitigen.
Übrigens: Für diese Gelenke benötigt man einen 3er bzw 5er Inbusschlüssel. Der ist normalerweise im Lieferumfang, leider wurde vergessen, sie den Test-AeYOs beizulegen. Normalerweise liegen die zusammen mit der Bedienungsanleitung im Versandkarton. Es kann nötig sein, die Gelenke fester oder lockerer zu machen. Als Faustregel: Immer so locker wie möglich einstellen, so dass die roten Scheiben bzw Ringe gerade noch nicht wackeln, wenn man mit dem Finger dran stößt. Bei den 3 Schrauben der Kniegelenke darauf achten, dass die immer gleichmäßig angezogen werden, sonst kann es sein, dass die Ringe nur deshalb nicht wackeln weil eine Schraube schon zu fest angezogen wurde, die anderen sind aber noch zu locker. Einfach alles immer mit ein wenig Gefühl machen, das mag der AeYO…J
Und nun zu den Skaterollen.
Das ist ein Thema für sich, und ich möchte gern darauf eingehen.
Es ist gar keine Frage: Die Skaterollen und die Lager (und insbesondere deren Zustand) haben einen entscheidenden Anteil an Fahrkomfort, Geschwindigkeit und nötigem Kraftaufwand.
Die Originalrollen des AeYO sind aus hochwertigem, elastischen, Polyurethan. Da es pro Seite nur zwei Rollen gibt, haben wir bei der Originalausstattung das Augenmerk auf Komfort gelegt und eine entsprechend weichere Mischung gewählt (Härtegrad 78A). Man kann im Fachhandel „schnellere“ Rollen finden. Dabei ist es sehr praktisch, dass die Abmessungen 90mm (vorne) und 110mm (hinten) im Speedskating Bereich zur Anwendung kommen, so gibt es entsprechend hochwertige (und auch teure) Rollen für jeden Geschmack. Ich persönlich fahre mit diesen Rollen bzw. mit diesen.
Mit Härtegrad F2 (Matter ist der wohl führende US Amerikanische Skaterollen Hersteller)
Man sieht: Da kostet eine Rolle soviel wie bei uns der komplette Satz!…
Ganz aktuell (leider) ist ja auch das Thema „Regen“….
Es gibt tatsächlich Rollen für Regen, ich benutze die auch und es funktioniert sehr gut. Großer Vorteil vom AeYO gegenüber normalen Skates: Wenn man mit den Füßen wegrutscht, hat man immer noch den Lenker zum abstützen, dadurch kann man ohne Probleme bei Regen Skaten, wenn man Regenrollen aufzieht, selbst wenn es mal dennoch rutschig wird.
Die findet man beispielsweise hier bzw. hier.
Die sind gleich noch teurer…
Man kann sie auch sehr gut auf trockenem Untergrund benutzen, sie sind da komfortabel und halt nicht superschnell.
So, und zu guter Letzt müssen wir zu den Lagern kommen. Eine Wissenschaft für sich…
Die Lager leiden ganz klar unter Nässe und Staub. Theoretisch (und auch praktisch) muss man die regelmäßig warten….das heißt also: Rolle ausbauen, Lager entfernen, öffnen(!), Kugeln und Schale reinigen, neu einfetten, wieder zusammenbauen…PUH!!!
Alternativ: einfach neue kaufen, gibt es auch schon für einen Euro das Stück, auch wenn die nicht sensationell sind, tun sie es grundsätzlich. Also ein billiges, sauberes Lager ist immer noch besser als ein teures, verschmutztes….
Alternativ (seeeeehr teure Alternative): Keramiklager für über 20(!) Euro das Stück…Da laufen Keramikkugeln in Keramikschalen und das OHNE FETT!!!! Zum reinigen genügt es da tatsächlich fast immer, nur die komplette Rolle unter Wasser zu halten, paar mal zu drehen, und der Dreck ist raus…
Dass ich mir solche Lager leiste, werden Sie sicherlich vermutet haben..
Also: Bei meinem AeYO haben die 4 Rollen einen Wert von ca 300 Euro…..
Schön zu wissen, dass man sich da noch ein wenig austoben kann, wenn man möchte…
Nur der Vollständigkeit halber: Das ist genau so wichtig oder unwichtig wie das tunen von Autos. Die fahren natürlich auch ungetuned wunderbar…nicht, dass da ein falscher Eindruck entsteht… 
Vielen Dank für diese wunderschöne, ausführliche Antwort!! 
Das zweite wichtige Thema bezüglich Herbert war ja das Anliegen einer Freundin, die aufgrund einer Krankheit leider ihr Gehör verloren hat und deshalb nicht mehr Skaten oder Eislaufen kann, da sich dieser Verlust auch auf ihren Gleichgewichtssinn ausgewirkt hat. Sie ist also dieses Wochenende extra aus Ostfriesland angereist, um den Herbert mal kennen zu lernen.
Also Herbert, Silke, Claudia, Göttergatten und mich ins Auto verpackt und auf einen am Wochenende freien Parkplatz gefahren.
Da habe ich erstmal gezeigt, wie gut es bei mir jetzt schon klappt. 


Glaubt ihr nicht? Ha – hier gibts mich in Bewegung!
Im Vergleich zu den ersten Versuchen sieht das doch schon richtig gut aus!
Und dann durfte Silke es probieren. Das Aufsteigen erwies sich noch als etwas schwierig:

Aber dann ist sie doch recht zügig losgezockelt! 

Und nach kurzer Zeit war sie schon deutlich sicherer, als ich es am ersten Tag gewesen bin – einschließlich Kurven! 
Fazit: ES GEHT! JAWOLLO! Silke hat gestrahlt über beide Backen, mit Hilfe des Lenkers gelang es ihr tatsächlich, das Gleichgewicht zu halten und wieder zu skaten – was sie schmerzlich vermisst hat. Eine ganz tolle Sache!

Zu guter Letzt habe ich mich dann nochmal auf Herbert geschwungen, denn ich wollte ja unbedingt wissen, wie ich am Berg mit ihm zurecht komme.
Also einmal den Abhang hinter dem Parkplatz runtergefahren, da fast auf die Fresse gepackt, weil unten kein Asphalt, sondern Steine mit Zwischenräumen verlegt waren, umgedreht und versucht, den Hügel wieder hoch zu kommen.
Himmel hilf! 
Also es war äußerst erheiternd für alle, außer mich! 
Aber seht selbst!
Da lacht sie noch!

Okay, mit Schwung!

Und HAU-RUCK!

Warum geht denn das nicht vorwärts???

Himmel hilf! Und schönen Dank für die Bremsen, sonst wär ich jetzt rückwärts schon wieder unten!!

Ich seh aus, als müsste ich mal kacken!!! 

WAAAAHH, nennt mich einfach Reinhold Messner, Gipfel, ich komme!!

Die letzten Zentimeter…

Boah – geschafft!

Ich glaube, da ist noch Optimierungsbedarf!! 
Aber eins ist klar: Das ist ein erstklassiges Ganzkörpertraining, da wird wirklich ALLES strapaziert – inklusive der Lachmuskeln… 