“Irgendwas geht immer schief!”
Sagte man mir vorher. So richtig glauben mochte ich das nicht, aber da ich viel zu gut Freund mit Murphy bin, wollte ich auch nicht unbedingt widersprechen…
Los gings mit dem Schiefgehen dann am Samstag vor der Hochzeit. Da das versprochene Paket, welches mein Hochzeitskleid enthalten sollte (Und auch den Hochzeitsdress des Herren!), noch immer nicht angekommen war, schickte ich der Schneiderin eine Mail mit der Bitte, mir die Paketnummer zu senden. Die (inzwischen schon leicht genervte) Antwort lautete:
Hallo Kerstin,
mach dir bitte keine Sorgen, wenn es heute nicht angekommen ist kommt es definitiv am Montag. Ich gebe dir aber gerne die Paketnummer. JJD14.10.046 500 718
Ein gab ich Selbige; und dann traf mich fast der Schlag

Samstag Mittag, am Mittwoch ist die Trauung und mein Kleid ist auf dem Weg zurück nach Waltershausen bei Eisenach. 
Eine kurze Rückfrage bei der Schneiderin: “Hast Du auch c/o Schlieper draufgeschrieben??”
Ja, hat sie.
1. Anruf bei DHL, Samstag Abend:
“Oh, wir entschuldigen uns; ich gebe das mit hoher Priorität weiter! Das müsste noch in der Zustellbasis sein,eventuell können Sie es in Ratingen abholen! Sie bekommen einen Rückruf!”
2. Anruf bei DHL, Sonntag Nachmittag:
Systemprobleme, leider keineAuskunft möglich!
3. Anruf bei DHL, eine halbe Stunde später: “Wieso Ratingen, was wollen Sie denn da, das Paket ist doch in Krefeld, da kann es nicht abgeholt werden! Tut uns sehr leid, hohe Priorität, sie bekommen einen Rückruf!”
Montag morgen kam dann tatsächlich ein Rückruf:
“Krefeld hat Samstags zu, das Paket ist auf dem Weg nach Hagen, wir melden uns!”
4. Anruf bei DHL Montag Nachmittag:
“Oh, tut uns leid, ich gebe das weiter mit hoher Priorität, sie bekommen einen Rückruf! Wann? Bitte haben Sie Verständnis, dass ich keine Zeiten nennen kann, wir sind hier nicht direkt mit der bearbeitenden Station verbunden. Wir melden uns!”
In dem Moment wurde mir klar, dass, wenn jetzt kein Wunder passiert, ich vermutlich im Schlafanzug würde heiraten müssen. Also beschloss ich, das Wunder selbst herbei zu führen und rief – bei der BILD Zeitung an!
Eine Reporterin der Düsseldorfer Redaktion erklärte sich auch spontan bereit, uns zu helfen (vielen Dank an Anne an der Stelle!!). Sie kam mit einer Kollegin vorbei, es wurden Notizen gemacht und Fotos geschossen. Schlagzeile: “Post verschlampt Brautkleid – jetzt Hochzeit im Kletterdress!”
Und Anne kontaktierte den Pressesprecher.
Siehe da – auf einmal kam Bewegung in die Sache. Am Nachmittag erhielt ich einen Anruf vom Beschwerdemanagement – man sei auf der Suche nach dem Paket. Leider war es seit Samstag nach wie vor nirgends wieder aufgetaucht! 
Der Dienstag verging in traurigem Warten, das Paket blieb verschwunden. Die Erklärung der DHL: “Es habe eben NICHT c/o Schlieper da drauf gestanden, deshalb sei man verpflichtet, es an den Absender zurück zu schicken…”
Dienstag Abend dann ein erneuter Anruf: Falls das Paket zurück nach Waltershausen ginge, könne man es umgehend wieder zustellen, ob mir denn übermorgen reiche?
“Leute – ich heirate morgen um 12! ÜBERMORGEN könnt ihr das Paket in die Tonne schmeißen!!”
Ich ging also Dienstag Abend ins Bett und hatte immer noch kein Hochzeitskleid.
Mittwoch Morgen um 6:30 Uhr riss mich mein Handy aus dem Schlaf.
“Hallo, hier ist der Kundenservice der DHL. WIR HABEN IHR PAKET!! Es ist in KREFELD! Wir können es umgehend wieder zustellen, bis 12 sollte das klappen!”
“NEIN! Tun Sie mir einen Gefallen – stellen Sie das Paket in ein Büro, stellen sie einen Mitarbeiter daneben, er soll sich draufsetzen und sich NICHT bewegen. Ich bin in 30 Minuten da!!”
Um kurz nach 7 stand ich in Krefeld im Paketlager der DHL und hielt mein Päckchen in den Händen. 
Und was stand da drauf? Na?

Da hatte der Postbote wohl Tomaten auf den Augen – oder aber schlicht keine Lust, in den 11. Stock hoch zu fahren!
Naja. Die müssen in der Nacht mit ungefähr 700 Leuten nach dem Paket gesucht haben – da wußte echt JEDER Bescheid, sogar der Pförtner…
Aber schon traurig, dass ich nicht mal eine Entschuldigung bekommen habe…
EGAL! Die Hochzeit war gerettet!
Um 12 fanden wir uns also am Standesamt ein. Und dort wurden wir – von einem Kamerateam mitsamt Reporterin begrüßt!
“Hallo, wir sind von RTL, entschuldigt, dass wir Euch so überfallen, aber wir haben heute morgen die BILD gelesen…”

Jetzt bekam ich den ersten richtigen Lachanfall seit Tagen. 
Aber was solls – wer A sagt, muss auch B sagen. Also erklärten wir uns bereit, das Reporterteam zur Trauung mit zu nehmen.
Aber dazu sollte es nicht mehr kommen, denn nach einem Anruf verließen die drei fast fluchtartig den Ort des Geschehens – angeblich war in Köln etwas vorgefallen; und sie mussten dringend weg.
Meine Vermutung ist ja eher, dass sie ziemlich enttäuscht waren, dass ich mein Kleid doch noch bekommen hatte. Die Braut im Klettergurt hätte sich wahrscheinlich einfach besser gemacht. 
Wie dem auch sei – bei uns wurde jetzt geheiratet!


Danach ging es in die Grillhütte Volkardey, wo noch das Zelt aufgebaut und der Grill angeheizt werden mussten. Während die Trauung nur im kleinen Kreis stattfand, war die Party ja schließlich auch als Event gelistet. (Es haben übrigens immer noch nicht alle geloggt… seht mal zu, damit wir hier dicht machen können!
)
Bald tauchten auch die ersten Event Gäste auf; und wie nicht anders zu erwarten, wurden Geschenke nicht einfach so überreicht, sondern mussten erst mal gefunden werden. 
So machten wir uns also auf den Weg, um den extra neu gelegten Cache “Die Braut, die sich traut” zu finden.
Vielen Dank an dieser Stelle nochmal für die Mühe und Arbeit, die Ihr uns .. ähm… EUCH gemacht habt!!

Bei der Party wurde dann schnell klar, dass wir einen kleinen Denkfehler bei der Organisation gemacht hatten. Wenn man 30 Gäste erwartet, dann ist es NICHT nötig, Bier für 30 Leute, Wein für 30 Leute, Cola für 30 Leute, Wasser für 30 Leute … und so weiter… zu besorgen! 
Mit dem, was wir an Essen und Getränken da hatten, hätten wir noch drei andere Hochzeitsgesellschaften locker über den Winter bringen können! 
Aber was solls – schee wars!

Bleibt noch zu erwähnen, dass ich so gegen Mitternacht daheim war. Mein frisch angetrauter Ehegatte kam so gegen halb drei nach Hause gewankt, stramm wie 12 Russen… 
Meine erste Handlung als Ehefrau war also, dem Liebsten am Morgen eine Aspirin und ein Glas Wasser ans Bett zu bringen.
Wenn das mal keine Voraussetzung für eine lange und glückliche Ehe ist…

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