Lady Allista – über alles und nichts

Geocaching, Produkttests, Skurilles und mehr

Ein Krokodil, ein König und viele Kinder

„Der Regen ist nicht jemandes Freund – er fällt auf jeden, dem er draußen begegnet.“ – Sprichwort der Yoruba

Wir hatten uns fest vorgenommen, das Land, welches für die nächsten drei Jahre unser Zuhause sein wird, nicht nur aus dem Fenster des goldverzierten Elfenbeinturms zu betrachten, in dem wir als Diplomaten automatisch erst mal leben. Also heißt es für uns: Raus aus der Komfortzone und rein ins Getümmel.

Da dies in Nigeria nicht so einfach ist, wie in manch anderen Ländern – die Kriminalitätsrate IST sehr hoch und Lagos und Umgebung ist gerade für Weiße nicht ungefährlich – sind wir nicht auf eigene Faust losgezogen, sondern haben uns erfahrene Hilfe gesucht.

Die Nigerian Field Society bietet seit vielen Jahren Touren in und um Lagos an, bei denen man Land und Leute aus erster Hand kennenlernen kann.

Leute – das waren in unserem Fall die in Oyo lebenden Yoruba.

Samstag morgens um halb sieben (wer kommt denn auf solche Ideen???) ging es mit einem Kleinbus los in Richtung Norden.

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Schon um die Zeit ist der Verkehr nicht unbedingt so, wie man es aus Good Old Germany gewöhnt ist…

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aber dafür waren die Ausblicke von der Third Mainland Bridge auf die Fischerboote bei Sonnenaufgang wirklich atemberaubend.

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Gute vier Stunden Fahrt über schlaglochübersäte Autobahnen, vorbei an unzähligen Verkaufsständen, Palmenwäldern und durch ärmliche Dörfer brachten uns dann nach Oyo, dem Ziel unserer Fahrt. Alleine diese Tour war schon spannend genug – der Fahrer hatte ein gesundes Gottvertrauen, welches sich in dem Tempo der Fahrt widerspiegelte. ICH hätte mich nicht getraut, da so lang zu kacheln, zumal alle paar Kilometer auch ein mehr oder weniger beschädigtes Fahrzeug am Wegesrand beredet Zeugnis ablegte darüber, dass das gutgehen KANN, aber nicht MUSS…

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Angekommen wurden wir einmal mehr mit der typisch nigerianischen Mentalität konfrontiert – die Zimmer im Hotel waren selbstverständlich noch nicht fertig. Wir wurden in den Warteraum verfrachtet, in dem wir erstmals ein Porträt des örtlichen Monarchen besichtigen durften – gleich neben seinem Audienzsessel.

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Das Hotel an sich war klein aber sauber – Jugendreisen- und campingestählt hatten wir schon schlechter übernachtet.

Während das Hotelpersonal sich um unsere Zimmer kümmerte, machten wir uns mit unserem örtlichen Guide Paula auf, um den Palast des Königs zu besichtigen.

Begrüßt wurden wir dabei von sogenannten sprechenden Trommeln – Trommeln, die so geschlagen werden, dass die, die sie hören, Nachrichten darin erkennen können. Man hat auch unsere Namen getrommelt, angeblich, um uns anzukündigen – wir Weißnasen haben die Trommeln aber in etwa so gut verstanden, wie das Englisch der Einheimischen…

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Der Palast an sich war, wie so oft in Nigeria, eine traurige Mischung aus einstmaliger Pracht und stetigem Verfall. Viele schöne Häuser und Gebäude rotten hier so vor sich hin, weil entweder Geld oder Motivation oder beides für die Instandhaltung fehlen. Und die Nigerianer nehmen es so hin – hier spürt man tatsächlich eine ganz andere Mentalität.

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Dort bekamen wir auch den ersten Schrein zu Gesicht. Die Religion der Yoruba beruht auf der Harmonie des großen Ganzen im Diesseits und im Jenseits. Dies wird symbolisch in den Schreinen wiedergegeben, die die einzelnen Elemente – Erde, Metall, Wasser, Feuer – miteinander verbinden. Diese Schreine sind unterschiedlichen Orishas gewidmet, die als Mittler zwischen den Menschen und den Göttern gelten.

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Einen zweiten Schrein besuchten wir dann im Dorf in einer kleinen Seitenstraße. Und hier bemerkten wir zum ersten Mal so richtig, wie sehr wir als “Weißnasen” auffallen. Vor allem die Kinder waren mehr als fasziniert, aber auch viele Erwachsene winkten uns zu, zeigten in unsere Richtung, machten Bilder oder baten sogar um ein Selfie. Wohin wir auch kamen, gab es sofort einen Menschenauflauf – man kommt sich vor, wie ein verdammter Rockstar! Smiley mit geöffnetem Mund

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Die nächste Station war ein Besuch beim Chief des Compounds, der die Familie beherbergt, die traditionell den König krönt.

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Und danach ging es auch schon zum Dorfvorsteher, bei dem wir warteten, dass das eigentliche Fest, welches der Grund unserer Reise war, begann: Die Prozession zu Ehren des Orisha Obatala.

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Die Wartezeit vertrieb man sich mit Essen, kalten Getränken, Tänzen und dem Ärgern des heiligen Krokodils im örtlichen Brunnen…

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Nachdem ich ein kleines Mädchen an den Brunnenrand gehoben hatte, drehte ich mich um, und – 80 kleine Ärmchen reckten sich mir entgegen. Damit war ich dann erst mal eine Weile beschäftigt: Sich von der komischen dicken weißen Frau hochheben zu lassen, war zweifelsfrei DAS Spiel des Nachmittags, das Krokodil war da nur noch Nebensache! Smiley mit geöffnetem Mund

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Dann ging die Prozession wirklich und tatsächlich los, quer durch die Stadt zum Hauptschrein Obatalas. Zwei “Mamas” hatten mich schnell adoptiert, nahmen mich rechts und links an der Hand und genossen den “Ruhm”, der ihnen so beim Gang durch das Dorf zuteil wurde – immerhin waren sie ja offenbar mit der “Weißnase” befreundet.

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Die Hauptarbeit wurde von einer jungen auserwählten Frau geleistet, die die mit heiligem Wasser gefüllte Kalebasse quer durchs Dorf trug und dabei offensichtlich in Trance war – ob mit oder ohne Hilfe von Pflanzen, die hierzulande auf dem Apothekenindex stehen, vermag ich nicht zu sagen.

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Ich gestehe: Ich hab das Ende der Zeremonie verpasst. Irgendwann auf dem Weg zum Schrein habe ich schlapp gemacht und bin in den gut klimatisierten Bus gekrabbelt, der uns (vorsorglich) begleitet hat. Aber auch Dreiviertel des Weges mit all den fröhlichen Menschen, der Begeisterung und der Lebensfreude, die hier jedem aus allen Poren kriecht, war schon ein Erlebnis!

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Der Abend endete in der VIP Bar des Hotels und danach in der anliegenden Veranstaltungshalle mit Livemusik. Die so live war, dass man sie auch bei geschlossenem Fenster im Hotelzimmer glasklar hören konnte.

Wie gut, dass die hier Lärmschutz wohl ernster nehmen, als sogar bei uns – um Punkt 22 Uhr ging nebenan nämlich (mitten im Lied) der Strom aus und es war Ruhe im Karton! Cooles Smiley

Finde den Fehler

Am nächsten Morgen folgte dann ein Gespräch, das gemäß Kollegen, die schon länger im Land sind, quasi exemplarisch für Nigeria ist. Ich saß im Frühstücksraum, vor mir die durchaus üppige Frühstückskarte des Hotels. Folgende Konversation mit der Bedienung:

“I’d like to have fresh orange juice!”

“Orange juice?”

“Yes, fresh orange juice, please.”

“No, no orange juice.”

ok…

“Well – so, some fruit salad, please.”

“No fruit salad.”

hm….

“Scrambled eggs with bacon? And sausages?”

“Oh – no, mam,no bacon. No sausages.”

Gut – Zeit, die Strategie zu wechseln!

“What DO you have for breakfast??”

“Omelette?”

“What else?”

“Just Omelette, mam.”

“Ok – in that case, I’d like to have an omelette, please!”

“Ok, mam!”

Zur Ehrenrettung des Hotels muss gesagt werden, dass das Omelette wirklich sehr, sehr lecker war! Smiley mit geöffnetem Mund

Nach dem Frühstück ging es mit dem Bulli ins Gelände außerhalb des Dorfes, wo wir noch zwei Schreine besichtigen wollten. Mein Respekt vor dem Fahrer wuchs ins Unermeßliche – ich hätte mich hier wahrscheinlich auch mit einem PANZER festgefahren.

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Dafür waren die Schreine wieder außerordentlich beeindruckend. Die Verbundenheit dieser Menschen mit der Natur rührt an Seiten, die in der zivilisierten Welt mehr und mehr untergehen. Für mich der Höhepunkt der Fahrt war eindeutig der Schrein auf dem heiligen Felsen. Klar war ich oben! Zwinkerndes Smiley

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Zurück in Oyo besichtigten wir noch den Markt – wo mich prompt meine “Freundin” vom vergangenen Tag wieder auffischte, und mir voller Stolz ihren Stand zeigte – mitten im Gewühle der kleinen Gassen.

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Danach noch ein kleiner Stop in einer örtlichen Töpferei – wo ich auch ein Lieblingsstück entdeckte, das aber leider ungefähr so groß war, wie ich. Keine Chance, die Vase in die Wohnung zu stellen, das Wohnzimmer wäre damit voll!

Und dann waren wir auch schon wieder auf dem Rückweg.

Zwei ereignisreiche Tage voller Eindrücke und Erlebnisse: Uralte Traditionen, durchgeführt von Menschen, die mal kurz ihr Handy in die Taschen der traditionellen Bekleidung stecken, bevor sie das Orakel befragen. Patriarchen mit Frauen, die sich vor ihnen verneigen – und in der nächsten Minute Kopfnüsse an ebenso hochstehende Männer verteilen. Bittere Armut und überschäumende Lebensfreude. Tradition und Moderne, ein Land im Aufbruch, das versucht, seine Wurzeln nicht zu verlieren – Africa, you charmed me with your power!

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Manchmal

Manchmal stürzt auf seiner Reise

Wasser wild der See entgegen.

Manchmal fällt es sanft und leise,

mild und warm als Sommerregen.

 

Manchmal frisst und tobt das Feuer

sengend heiß durch Busch und Baum.

Manchmal wärmt es lieb und teuer

mir den winterkalten Raum.

 

Manchmal lässt der Sturm zum atmen

Mensch und Tieren kaum noch Luft.

Manchmal füllt der Wind den Garten

samtig-süß mit Frühlingsduft.

 

Manchmal schießen schrill und pfeifend

Schneelawinen steil ins Tal.

Manchmal aus der Erde reifend

wachsen Früchte ohne Zahl.

 

Manchmal scheinen Elemente

nicht zum Besten zu geraten …

Armer, wilder Geist! Wie könnte

ich es da von Dir erwarten?!

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Cornelia

Der Rhein zieht sich durchs Land wie ein gleißendes Band aus in der Sonne glitzerndem Glas. Seine Fluten berühren viele Ufer und Strände auf ihrem Weg von der Quelle zur Mündung und seine Wellen nehmen die Geschichten und Schicksale der Menschen auf, an denen sie vorbeifließen, um sie viele tausend Kilometer entfernt wieder an Land zu werfen oder auch sie für immer in den dunklen Tiefen der Weltmeere zu verbergen.

Der Strom kennt viele Geschichten, schöne und schaurige, zahllose Geheimnisse und wer fähig ist, zuzuhören, dem erzählt er die eine oder andere, bevor er weitereilt dem unendlichen Pfad des Wassers folgend.

Dies ist die Geschichte von Cornelia.

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Diese Kugel wurde am Sermer Deich angespült und vom Hochwasser auf der gerade vom Frühling wachgeküßten Rheinwiese zurückgelassen. Ich setzte mich auf den wie für mich ebenfalls vergessenen Sessel und horchte auf das, was der Fluss über diese Kugel zu berichten wusste.

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“Cornelia” buchstabierte der kleine Junge mühsam. Strahlend blickte er zu seiner Mutter auf, die die kleine rote Kugel mit dem Namen seiner besten Freundin versehen hatte, der er den Christbaumschmuck schenken wollte. Alle anderen erhielten ihre Präsente ohne Namensschild, aber bei Cornelia wollte er auf Nummer sicher gehen. Nicht, dass ein übereifriger Onkel oder eine der unausstehlichen Schwestern aus “Versehen” die Kugel griffen und seine kleine Kameradin leer ausging – eine scheußliche Vorstellung! Also hatte er seine Mutter so lange bekniet, bis sie ein Stück des Stoffes nahm, mit dem sie normalerweise seine Schulsportsachen mit Namen versah und es mit dem Namen der Freundin beschriftet an die Kugel band. Jetzt konnte Weihnachten kommen!

“Cornelia” stand auch auf dem Schild, welches den Platz neben seinem an seinem 7. Geburtstag schmückte. Er konnte sich an keinen Geburtstag erinnern, an dem die ewige Gefährtin nicht an seiner Seite gesessen hatte, so wie er sich an keinen einzigen Tag seines Lebens erinnern konnte, in denen sie nicht miteinander gespielt oder füreinander gerauft hatten. Die Leute waren amüsiert über das ungleiche Paar – das stille, zarte, dunkelhaarige Mädchen und der wilde, semmelblonde Junge – und fragten sich, wie lange es wohl dauern würde, bis die Pubertät diese quasi siamesischen Zwillinge trennte. Doch bislang steckten sie täglich zusammen und meisterten alles zu zweit – auch das Ausblasen der Geburtstagskerzen. Alle Vorhaltungen der Erwachsenen, dass ein großer Junge dies allmählich alleine können müsse, fruchteten nicht; und so gaben sie wie immer seufzend nach und zwei kleine Köpfchen beugten sich vor, zwei Münder pusteten, bis die Gesichter rot waren vor Anstrengung und auch die letzte Kerze erloschen war. Dann strahlten die Kinder sich an – sie hatten es wieder gemeinsam geschafft. Als Team.

“Cornelia” stand auch auf dem Namens-Schild im Klassenraum auf dem Platz neben seinem – und so blieb es bis zum Schulabschluss. Entgegen aller Unkenrufe trieb die Zeit des Erwachsenwerdens die beiden nicht auseinander, sondern schweißte sie noch fester zusammen. Gemeinsam schafften sie die Schule, wie sie vorher die Kerzen zusammen bezwungen hatten. Er war besser in Mathe, sie half ihm dafür in Deutsch und Latein. Ein Team wie Pech und Schwefel und jeder der Vertraute und Rückhalt des anderen, einander zugewandt in Hingabe und dem unverwüstlichen Vertrauen, das aus jahrelangem Miteinander entspringt.

“Cornelia” stand auch auf den unzähligen Briefen, die der junge Soldat aus seiner Zeit bei der Armee nach Hause sandte. Zum ersten Mal waren die Beiden für längere Zeit getrennt, und auch diese Entfernung führte nur zur Stärkung ihrer inneren Verbundenheit. Papier trägt viele Sachen, die der Mund nicht zu formulieren wagt, und so erblickten sie neue Facetten des anderen, vertraut und doch aufregend anders, indem sie ihre Sorgen und Ängste, Gedanken und Gefühle in Briefen miteinander teilten. Das war auch die Zeit, in denen ihnen klar wurde, dass ihre Liebe zueinander über das Stadium kindlicher Freundschaft längst hinausgewachsen war – und dass sie durch die jahrelange Vertrautheit eine Basis hatten, die viele andere Paare sich erst mühsam erarbeiten mussten.

“Cornelia” stand auch auf der Urkunde, in der behördlich bestätigt wurde, was beide längst wussten: Dass sie zusammengehörten, in guten und in schlechten Zeiten, füreinander einstehend und miteinander vorwärts gehend, ein Bollwerk gegen die Kälte und emotionale Armut der modernen Welt. Keiner von beiden würde jemals wieder die Kerzen auf seiner Geburtstagstorte alleine ausblasen.

“Cornelia” stand auf dem Krankenbett, in dem ihr erstes Kind geboren wurde. Der Vater hatte im Kreissaal mit ausgeharrt; die Hand seiner Frau gehalten und sich zum ersten Mal in seinem Leben vollkommen hilflos gefühlt. Doch die Stärke seiner Frau erneuerte sich auch in dem Wissen seiner Liebe; und nun saßen sie gemeinsam im Krankenzimmer und betrachteten das kleine Wunder, welches das Produkt ihrer beider war, und doch ein eigenständiges Wesen. Es sollten noch zwei weitere Kinder folgen, und jedes Mal standen sie die Geburt gemeinsam durch.

“Cornelia” stand auf den Reisetickets, die er ihr zum 50. Hochzeitstag geschenkt hatte. Sie wollte schon ihr Leben lang Norwegen sehen, doch Zeit und Geld hatten es nie zugelassen. Jetzt war der Hund tot und die Kinder aus dem Haus – und beide erlebten die Freiheit des ersten gemeinsamen Ausfluges erneut. Staunend standen sie vor der überwältigenden Landschaft aus Fels und Meer, Hand in Hand, wie in den letzten 70 Jahren. Seit seiner Bundeswehrzeit waren sie nie länger als 18 Stunden getrennt gewesen, und die Anwesenheit des anderen war zu einem Teil ihres Selbst geworden. Liebe wird nicht weniger, wenn man sie gibt; sie erneuert sich aus sich selbst heraus und man hat mehr davon, je mehr man anderen schenkt – das ist eins der großen Wunder unserer Welt.

“Cornelia” stand auch auf dem Schein, den der Arzt ausfüllte, nachdem er der wachsbleichen Frau auf dem Bett die Augen geschlossen hatte. Alle Liebe dieser Welt lässt ein krankes Herz nicht gesunden; und dieses von Liebe überfließende Herz hatte letzte Nacht aufgehört zu schlagen.

Der alte Mann betrat seine Wohnung ein letztes Mal. Er fühlte sich, als liefe er auf einem Bein oder mit nur einem Arm durch die Welt. Die Leere in ihm war nicht schmerzhaft, sie war einfach da. Er strich über das Kissen, auf dem 60 Jahre lang der Kopf der Geliebten geruht hatte. Dann nahm er die kleine rote Weihnachtskugel, die jedes Jahr ihren Platz am Baum gefunden hatte, und an der immer noch der Stoffstreifen hing; und ging Richtung Rhein.

“Cornelia” flüsterte er leise und ging langsam in die Fluten. Das Wasser trägt, wenn man ihm traut – und es umarmt, wenn man sich fallen lässt. Er schwamm, bis er die Tiefen des Stroms unter sich spürte, dann ließ er sich sinken. Es wurde dunkel, dann wurde es hell, und während der Fluss den Körper des Mannes und die rote Kugel mit sich nahm, sah er in der aufkeimenden Dämmerung das vertraute Gesicht wieder.

“Cornelia!”, rief er, und wusste, dass er nun in Ewigkeit Hilfe haben würde beim Auspusten der Geburtstagskerzen.

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Perú–2. Reise

Ziemlich genau ein halbes Jahr bin ich nun im Land, der Alltag hat mich eingeholt, und viele Dinge sind inzwischen Routine – eine Routine unter Palmen, aber doch Routine!

Da tut es gut, aus dem Trott auszubrechen und mal wieder die Koffer zu packen, um Teile des Landes zu bereisen, die wir bei der ersten Tour nicht geschafft hatten!

Unterstützung bekamen wir diesmal von zwei lieben Freunden. Silvia und Hilmar waren so verrückt, mein Angebot (“Ich werde neun Monate in Südamerika leben, kommt mich doch besuchen!”) einfach anzunehmen – und wenn ich Silvias Blog richtig interpretiere, haben sie es wohl bislang noch nicht bereut! Smiley

Hilfe bei der Reiseplanung bekamen wir wieder von papayatours, die ja schon bei der ersten Reise so fantastische Arbeit geleistet hatten. Never change a winning team – die Entscheidung war wieder super! Jetzt muss ich nur noch für die zukünftigen Posten eine Agentur finden, die ähnlich gut arbeitet, wie papayatours in Südamerika!

Los gings mit einem Kraftakt für den Körper – wir flogen von Lima (Küste) nach Juliaca und wurden dort abgeholt und zu unserem Hotel nach Puno gebracht: Auf knapp 3.800 Meter.

Tag 1: Lima – Puno

Heute Morgen begeben Sie sich in Lima selbstständig zum Flughafen und fliegen nach Juliaca. Hier erwartet Sie bereits ein Transfer und bringt Sie zu Ihrer Unterkunft in Puno am Titicacasee. Der Rest des Tages steht zur freien Verfügung. Lassen Sie den Tag langsam angehen, damit der Körper sich an die ungewohnte Höhe gewöhnen kann.

Der Ratschlag mit der Akklimatisierung war wohlgetan, denn auf der Höhe wird jede Stufe plötzlich zur Herausforderung. Nach meiner Erfahrung im Januar im Colca Canyon und nachdem ich beruflich im März schon mal in Cusco war, wusste ich, was uns erwartet und hatte in weiser Voraussicht für alle Sorochi Pills besorgt – ein Zeug mit Koffein, Aspirin und wahrscheinlich Fledermausflügeln – auf jeden Fall helfen die Dinger!

Dementsprechend übermütig waren wir dann und sind natürlich doch am ersten Tag bis zum Hafen gelaufen – prompt hingen wir Abends  mit Kopfweh in den Seilen. Wer nicht hören will…

Aber der Anblick des Hafens in der Abenddämmerung war trotzdem schön!

Abendstimmung

Ein paar Impressionen des Tages:

Blick während des Transfers vom Flughafen Juliaca nach Puno:

Blick während des Transfers vom Flughafen Juliaca nach Puno:

Puno am Titicacasee:

Puno am Titicacasee:

 

Tag 2: Titicacasee – Schilfinseln der Uros – Amantani

Nach dem Frühstück unternehmen Sie eine interessante Bootsfahrt auf dem Titicacasee.
Sie besuchen die schwimmenden Schilfinseln der Uro. Auf den rund 40 schwimmenden Inseln leben heute noch rund 30 bis 50 Uro-Nachfahren, die jetzt fast nur noch vom Tourismus leben. Dort haben Sie auch die Möglichkeit auf einem der postkartenbekannten „Totora-Boote“ zu fahren.
Anschließend geht es zur Insel Amantani. Am Nachmittag steht eine kleine Wanderung auf der Insel auf dem Programm.

Da bei uns immer noch jeder Schritt zu heftigem Luftschnappen führte, waren wir ganz froh, den Vormittag gemütlich auf einem Boot vor uns hinschaukeln und die phantastische Landschaft genießen zu dürfen. BLAU… was ein BLAU! Das Wort bekommt auf dem Altiplano eine ganz neue Bedeutung. Das ist nicht einfach nur himmelblau oder meerblau oder indigoblau – das ist eine ganz neue, eigene Komposition auf jedem Zentimeter Wasser oder Luft. Und das Schilf, die braune Hochebene und die umliegenden trockenen Gebirgszüge machen das Blau nur noch intensiver!

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Die schwimmenden Schilfinseln von Uros konfrontierten uns zum ersten Mal mit dem zweischneidigen Schwert, welches Tourismus in dieser Region bedeutet: Einerseits bildet er die Lebensgrundlage für viele Menschen, die ohne Tourismus kein Auskommen hätten. Viele alte Stätten existieren nur noch, weil Touristen sich für sie interessieren. Tourismus ist eine der Haupteinnahmequellen des Landes und überlebenswichtig.

Andererseits bedeutet das natürlich auch, dass Kommerz jeden Schritt begleitet. (Soll ja in Industrienationen und so fortschrittlichen Ländern wie Deutschland auch mal vorkommen… Cooles Smiley) Es ist schwer, als Außenstehender zu entscheiden, was authentisch ist, und wo der Schamane sich aufseufzend den Bastrock aus und die Jeans anzieht, wenn das letzte Kanu mit Touristen gerade um die Flussecke verschwunden ist.

Auf Uros hatten wir das große Glück, an einen phantastischen Guide geraten zu sein. Henry hat selbst indianische Vorfahren und  besitzt eine Farm in einer Kommune, die der der schwimmenden Inseln nicht unähnlich ist – von ihm erfuhren wir unglaublich viel über einheimische Gebräuche, das Miteinander der Bevölkerung und darüber, wie man Schein und Sein unterscheidet. Außerdem war er bei den Einwohnern Uros bekannt und beliebt. Er begleitete uns während der kompletter Tour auf dem Titicacasee und trug wesentlich zum Erfolg derselben bei!

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Die Inselbewohner leben in Kommunen zusammen, in denen reihum jeder mal Touristen “abbekommt”, so dass die Einnahmen gleichmäßig verteilt sind. Die Schilfhütten bieten keinerlei Komfort, dennoch haben sich die Leute dem Fortschritt nicht verschlossen – Handys sind allgegenwärtig und Sonnenkollektoren sorgen für eine grundlegende Stromversorgung und warmes Wasser. Dennoch leben hier teilweise vier bis sechs Menschen in einem Raum in einer einfachen Schilfhütte zusammen.

Teile der Kommune wollen von dem Touristenrummel nichts wissen, sind mit ihren Inseln kurzerhand weiter in den See hinaus geflüchtet und leben von Fischfang und dem Verkauf von Handarbeiten auf dem Markt in Puno. Die Lebensweise wird also tatsächlich noch so aufrecht erhalten, wie seit vielen hundert Jahren – die Inseln bieten perfekten Schutz vor den in dieser Gegend häufigen Erdbeben.

Doch ein Großteil der Familien lebt von den ausländischen Reisenden, die hier mal ein bisschen ursprüngliches Leben schnuppern wollen.

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Uros

Von Uros ging es vor der Kulisse der schneebedeckten 6.000er Boliviens weiter zur Insel Amantani. Hier sollten wir bei einer einheimischen Familie übernachten – was im Vorfeld zu banger Erwartung führte.

Bald stellte sich heraus: Auch hier ist man wunderbar auf ausländische Bedürfnisse eingestellt. Es gibt einen Sonnenkollektor für die warme Dusche und für die Gäste ein “richtiges” Klo, bei dem man nur selbst mit dem Eimer nachspülen muss – eine in Peru durchaus verbreitete Lösung.

Nachdem wir keuchend und schnaufend hinter unserer deutlich älteren (und still in sich hinein grinsenden angesichts unserer Schnappatmung) Gastmutter unser Quartier erreicht hatten, mussten wir neidlos eingestehen: Hier ist vielleicht nicht gerade die Krone des Fortschritts – aber es ist wunderschön!

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Die Zimmer waren schlicht, aber liebevoll eingerichtet, der Innenhof blumengeschmückt und der Blick von der Dachterrasse auf den Titicacasee atemberaubend. Und es war RUHIG … von einem Esel mit Tobsuchtanfall mal abgesehen.

Das Essen war genauso: Einfach, aber sehr, sehr lecker! Dazu frischer Tee mit (unter anderem) der besten Minze, die ich je in die Finger bekommen habe.

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Eine kurze Führung durchs Dorf brachte uns den Lebensstil der Familien näher – einschließlich Fachsimpelns des spindelbewehrten Hilmars mit den spinnenden Frauen, die gar nicht so recht glauben mochten, dass ein Mann sich mit so was auskennt. Smiley mit geöffnetem Mund Und Silvia war in einem der vielen Textilhimmel des Urlaubs.

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Den am Nachmittag geplanten Ausflug zur Spitze des Hügels haben dann drei Viertel unseres Grüppchens geschwänzt – wir fühlten uns einfach nicht fit genug für den Aufstieg über 200 Höhenmeter. Stattdessen genossen wir den Sonnenuntergang von der Dachterrasse aus. Nach allem, was der tapfere Hilmar, der den Aufstieg als einziger gemacht hat, hinterher mit hochrotem Kopf und Schwindelgefühl erzählte – Almauftrieb, Inkamarkt am Gipfel, Menschenmassen und Sonnenuntergang knapp verpasst! – haben wir wohl alles richtig gemacht! Smiley

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Abends gab es noch eine Fiesta mit peruanischem “Happy Birthday” Live-Ständchen für Silvia. Und nachts einen überwältigenden Sternenhimmel, den keine unserer vielen Kameras einfangen konnte – manche Eindrücke kann man eben doch nur im Herzen mit nach Hause nehmen.

 

Tag 3: Amantani – Taquile – Puno

Heute geht es weiter zu der ursprünglichen Insel Taquile, bekannt für ein einmaliges Titicacasee-Panorama und nicht zuletzt für die strickenden Männer. Sie unternehmen eine ca. einstündige Wanderung auf der Insel und kommen später am Hauptdorf der Insel an, wo Sie Zeit haben, Mittag zu essen. Am Nachmittag erreichen Sie wieder Ihr Hotel in Puno.

Ein bisschen wehmütig verabschiedeten wir uns von “unserer” Familie. So schön es dort ist, es muss für die Menschen auch schwierig sein: Die Schulgebühren sind sehr hoch, Stipendien schwer zu bekommen, die meisten, die auf Amantani geboren werden, müssen früher oder später dorthin zurück – und bekommen durch den stetigen Strom an Touristen immer wieder das Leben vor Augen geführt, welches sie nie werden führen können. In einer eigenen kleinen Welt zu leben, ist eine Sache – aber ständig die Weite der restlichen Welt unter die Nase gerieben zu bekommen, eine ganz andere. Wie viele unerfüllte Träume und vergebliche Hoffnungen mögen auf diesem Eiland schlummern…

Aber für uns ging es weiter in UNSERER Welt – und zum nächsten Tagesziel. Der Aufstieg auf den über 4.000 Meter hohen Gipfel von Taquile war zwar immer noch anstrengend, aber so langsam hatten unsere Körper sich an die dünne Luft gewöhnt. Und der Ausblick entschädigte mehr als vollständig für die Strapazen!

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Taquile

Und das Mittagessen war nicht nur äußerst lecker – sondern wahrscheinlich das mit der besten Aussicht EVER! Herz

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Nach steilem Abstieg auf die andere Seite der Insel erwartete uns schon unser Boot, das uns zurück nach Puno brachte.

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Tag 4: Puno – Cusco

Am frühen Morgen werden Sie vom Hotel abgeholt und zum Busbahnhof gebracht. Mit einem öffentlichen Touristenbus geht es durch wunderschöne Andenlandschaften nach Cusco (Fahrtzeit ca. 9 bis 10 Stunden). Auf dem Weg besuchen Sie in Juliaca das Museo de la Cultura Pukara und machen einen weiteren Stop in La Raya, dem höchsten Punkt der Reise mit 4.400 Meter. Eine Pause zum Mittagessen wird im Dorf Sicuani eingelegt.
Danach schauen Sie sich noch den Tempel von Raqchi und die Kirche Andahuaylillas (Capilla Sixtina de America) an, bevor Sie am späten Nachmittag Cusco erreichen und zu Ihrem Hotel gefahren werden.

Hier tat sich der erste echte negative Aspekt der Reise auf, in Form eines allzu geschwätzigen Reiseführers, der die Gruppe Erwachsener offensichtlich mit einer Horde 16-jähriger auf Klassenfahrt verwechselte – und das um halb sieben in der Frühe! Krankes Smiley

Meine Nerven waren bald so angegriffen, dass ich beim ersten Stopp klammheimlich das Mikrofonkabel leicht lockerte, was nach der Weiterfahrt für ungefähr zehn Minuten höchst erholsamer Stille sorgte, bis er den Fehler gefunden hatte… Cooles Smiley

Vor allem nach dem ernsten, in sich gekehrten aber äußerst klugen und herzenswarmen Henry, war diese Umstellung schon krass – da blieb nur, den Guide nach besten Kräften zu ignorieren! (Was er wohl gemerkt hat. Wir kamen in Cusco an und plötzlich stieg er aus und war weg – nicht mal auf Wiedersehen hat er gesagt… ab mit Schaden! Nur ein Scherz)

Die Tour an sich war aber sehr schön und die gewählten Haltepunkte auch durchaus interessant!

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La Raya:

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Sicuani:

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Tempel von Raqchi:

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Tempel von RaqchiTempel von Raqchi

Tempel von Raqchi

Andahuaylillas:

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In Cusco angekommen fielen wir dann bald ziemlich müde ins Bett.

Hotel Munay Wasi Inn

Tag 5: Stadtrundgang in Cusco

Die wohl interessanteste Stadt Perus hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Der heutige halbtägige Stadtrundgang führt Sie zur Iglesia Santo Domingo, wo nach einem Erdbeben die Überreste des ehemaligen prunkvollen Sonnenheiligtums Qoricancha freigelegt wurden. Sie besichtigen ebenso die mächtige Kathedrale Cuscos, die sich wie ein Bollwerk gegen den Sonnenkult der Inkas am historischen Platz Huacaypata erhebt. Der Platz, heute „Plaza de Armas“ genannt, liegt im Herzen der Stadt und ist von vielen Kolonialkirchen umgeben, die über den Grundmauern inkaischer Tempel aufragen. Später besuchen Sie die weitläufige Festungsanlage Saqsaywamán, die sich oberhalb der Stadt befindet und die einen herrlichen Blick über die einstige Hauptstadt des Inka-Imperiums bietet. Wenige Kilometer weiter westlich erkunden Sie das zwischen zerklüfteten Felsen gelegene Naturheiligtum Q’enko, wo noch heute die Altäre und die Opferrinne einstiger ritueller Zeremonien erhalten sind. Nach der kleinen Bergfestung Pukapukara besuchen Sie außerdem das Wasserheiligtum Tambomachay. Lassen Sie sich an diesem mystischen Ort in den Bann des ehemaligen Inkareiches ziehen und lauschen Sie den Klängen des Wassers, das einer alten inkaischen Wasserleitung entspringt und sich sprudelnd über terrassenförmige Mauern ergießt. Der Nachmittag steht Ihnen zur freien Verfügung, so dass Sie genügend Zeit für einen Spaziergang oder einen Einkaufsbummel haben und die außergewöhnliche Atmosphäre der Stadt auf sich wirken lassen können.

Klingt wie ein ziemlich ausführliches Programm – und das war es auch!

In einer privaten Führung ging es fast fünf Stunden lang durch die diversen Hotspots von Cusco und Umgebung – und mir gingen so langsam aber sicher die Superlative aus! Wie kann es nur so viele beeindruckende und atemberaubende Plätze auf einem Fleck geben??! Wobei ich ganz froh bin, kein Spanier zu sein – für spanische Touristen muss Perú ein wenig bitter sein. “Hier befand sich eine präinka Kultstätte, die von den Spaniern zerstört wurde, gleich neben dem Inkatempel, der von den Spaniern zerstört wurde, darüber ein Denkmal eines Inkas, der von den Spaniern hinterrücks ermordet wurde, und hier sehen Sie den Goldtempel, dessen Gold leider von den Spaniern entwendet wurde!” Enttäuschtes Smiley

Saqsaywamán:

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Tambomachay:

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Blick vom Goldtempel in Cusco:

Blick vom Goldtempel in Cusco

In Cusco stolperten wir dann in die ersten Paraden zum jährlichen Inti Raymi, dem mehrtägigen Fest zur Wintersonnenwende, dessen Höhepunkt wir am Abreisetag noch ansatzweise miterleben durften. Nur soviel: Ganz Cusco ist im Ausnahmezustand – und der rheinische Karneval kann dagegen echt einpacken!

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Tag 6: Cusco – Heiliges Tal der Inkas

Nach dem Frühstück nehmen Sie an einem ganztägigen Ausflug ins heilige Tal der Inkas teil, der Sie auch über den Vilcanota-Fluss führen wird. Sie nähern sich der Inkastätte über den Mirador de Taray, von wo aus Sie einen herrlichen Ausblick über das Tal und den Fluss genießen können. Im sehenswerten Ort Pisaq haben Sie anschließend die Gelegenheit, mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt zu treten. Besuchen Sie den farbenfrohen Indiomarkt und feilschen Sie mit den Händlern um die Preise! Ihr nächstes Ziel ist die Inka-Festung Ollantaytambo, die über steilen Terrassen auf einem mächtigen Bergvorsprung thront. Die Tempelburg diente früher zum Schutz gegen Invasionen von Urwaldstämmen. Am späten Nachmittag werden Sie dann zu Ihrem Hotel im schönen Tal bei Ollantaytambo gebracht.

Wiederum mit privater Führung ging es heute ins Valle Sagrado, das heilige Tal der Inka. Es gibt viele schöne Flecken auf dieser Welt, aber dieser gehört sicherlich zu den schönsten!

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Der erste Stopp auf dem Weg war bei dem sozialen Projekt Awana Kancha, welches sich der Erhaltung von und der Information über traditionelles Textilhandwerk widmet – Silvia im Textilhimmel. Smiley Für uns andere galt: Streichelzoo zieht auch bei großen Kindern! Vor Lachen auf dem Boden wälzen

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Etwas wehmütig verließen wir die übergroßen Kuscheltiere – aber der nächste Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten! Die archäologische Ausgrabungsstätte von Pisaq verschlug uns – wieder mal! – den Atem. Und das lag nur teilweise daran, dass wir hinaufstiefeln mussten!

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Nach der Kultur folgte der Kommerz, und unser Weg führte uns auf den schrill bunten Inkamarkt von Pisaq, auf dem es tausenderlei Dinge gab, die man so oder ähnlich in Perú an jeder Ecke bekommt – aber auch eine anschauliche Belehrung darüber, wie man echtes Baby-Alpaca vom allüberall feilgebotenen “Maybe-Alpaca” unterscheidet…

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Den Abschluss des Tages (hatte ich schon erwähnt, dass wir wirklich VIEL gesehen haben??) bildete der Besuch der Inkafestung Ollantaytambo. Auch hier galt: Wer runtergucken will, muss raufklettern! Aber auch hier verschlägt einem die Erhabenheit der Szenerie mehr den Atem, als die dünne Luft!

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Der Tag endete in einem Bio-Öko-Hotel in Urubamba, wo wir, so wir es gewollt hätten, nebst Übernachtung und Frühstück auch noch diverse schamanische Rituale hätten buchen können, um zu innerer Ruhe und Reinheit zu finden. Ich gebe zu, wir haben es vorgezogen, uns mit Pisco Sour zu besaufen. Flirten - Mann

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Tag 7: Heiliges Tal – Zugfahrt Aguas Calientes

Am Vormittag werden Sie bei Ihrem Hotel abgeholt und zur Bahnstation Ollantaytambo gebracht. Dort steigen Sie in den Zug, der Sie nach Aguas Calientes bringt. Vom Bahnhof in Aguas Calientes werden Sie abgeholt und zu Ihrem Hotel gebracht. Der Rest des Tages steht Ihnen zur freien Verfügung. Sie können den Ort Aguas Calientes erkunden oder die Thermen besuchen und entspannen. Am frühen Abend sucht Ihr Guide Sie im Hotel auf,um mit Ihnen den kommenden Tag zu besprechen.

So langsam aber sicher steuerte unsere Reise ihrem Höhepunkt entgegen. Schon die Zugfahrt nach Aguas Calientes ist ein Erlebnis: Während der anderthalbstündigen Fahrt wandelt sich die Vegetation von trockener Hochgebirgsflora zu grünem Dschungel.

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Vor Ort gab es dann erst mal ein paar Diskussionen mit dem Hotelpersonal, in deren Verlauf wir Zimmer-wechsel-Dich gespielt haben – die ersten Löcher, in die sie uns stecken wollten, waren selbst für peruanische Regenwaldverhältnisse unzumutbar verschimmelt und stanken so dermaßen nach Chemikalien, dass schon darin sitzen zu stechenden Kopfschmerzen führte. Die zunehmend missgelaunte Hotelchefin hatte aber auf Dauer keine Chance, so dass wir schlussendlich quasi die Suiten bekamen, mit tollem Blick nach draußen und weitgehend schimmelfrei – geht doch! (Zur Ehrenrettung des Hotels muss gesagt werden, dass sie nach diesem holperigen Start wirklich sehr bemüht und freundlich waren – und die Sandwiches, die wir für Machu Picchu mitbekamen, waren phantastisch!)

Der Tag endete in einer lokalen Pizzeria beim üblichen Pisco Sour und recht früh – wir wollten am nächsten Tag den ersten Bus nach Machu Picchu nehmen.

Tag 8: Machu Picchu – Cusco

Am Morgen fahren Sie mit einem Bus 30 Minuten zu der wunderbaren Zitadelle hoch.
Während der geführten Tour (ca. 2,5 h) durch die Zitadelle besichtigen Sie den Hauptplatz, den runden Turm, die heilige Sonnenuhr, die königlichen Zimmer, den Tempel der drei Fenster und die Friedhöfe. Danach haben Sie Zeit zur freien Verfügung, um auf eigene Faust einen Spaziergang durch die Zitadelle zu unternehmen oder zum Sonnentor (ca. 2 h) zu wandern, bevor Sie sich am Nachmittag wieder nach Aguas Calientes begeben. Den ersten Teil der Strecke fahren Sie mit dem Zug, anschließend bringt Sie ein Transfer zu Ihrem Hotel in Cusco.

Machu Picchu. Jeder, der “Perú” hört, denkt wohl zuerst an diese Inkastadt. UNESCO-Weltkulturerbe, DAS Wahrzeichen des Landes.

Und Touristenmagnet. Es ist erstaunlich: Aguas Calientes, Machu Picchu Pueblo – all das würde ohne Tourismus schlicht nicht existieren. Man fällt überall über Deutsche, Engländer, Chinesen, Australier, Amerikaner, Franzosen, Holländer… nur Einheimische trifft man kaum. Tagtäglich wälzen sich tausende von Reisenden durch die alten Ruinen, hochgekarrt in Bussen, selbst die Stufen raufkeuchend, vom Inkatrail kommend – und wir waren noch vor der Hauptsaison da! Eigentlich genau DAS, was ich normalerweise meide, wie der Teufel das Weihwasser. Aber MACHU PICCHU – der Grund, warum ich damals Altamerikanistik studiert habe. Verzichten mochte ich nun doch nicht…

Und so fand ich mich morgens um halb fünf am Busbahnhof wieder – und zehn Minuten später war die Schlange schon gute dreihundert Meter lang. Was ein Wahnsinn!!

Unser einheimischer Guide Fabricio hat kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen, dass wir tatsächlich als Erste mit hochfahren wollten. Und so fanden wir uns – mit “nur” ein paar hundert anderen – pünktlich zur Öffnung in der alten Zitadelle wieder, Fabricio suchte uns einen guten Platz – und wir warteten im nebelverhangenen Machu Picchu auf den Sonnenaufgang.

Was dann kam – war magisch. Die Stimmung, die sich ausbreitete, hat glaube ich niemanden kalt gelassen, zwischenzeitlich war trotz der vielen Menschen (die sich auf dem riesigen Gelände erstaunlich gut verlaufen haben!) nur das Zwitschern der erwachenden Vögel zu hören. Und als dann die ersten Sonnenstrahlen den Nebel zerrissen und die alten Steinbauten in weiches Licht tauchten, da hatte ich einen Kloß in Größe eines Tennisballs im Hals…

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Die folgenden Stunden verbrachten wir mit Fabricio, der genauso mit Herz und Seele dabei war, wie Henry in Puno. Allerdings muss ich gestehen, dass ich nicht fähig war, alle Informationen aufzunehmen – zu großartig waren die Anblicke, die sich uns boten.

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Und schließlich lag der Anblick vor mir, den ich sonst nur aus Film und Büchern kannte.

Wie viele Jahre lagen zwischen dem ersten Mal, als ich von Machu Picchu gehört hatte, meinem Studium und diesem Ausblick. Wie viele Enttäuschungen, Irrwege, Umwege, unerfüllte Hoffnungen, Ängste, Neuanfänge. Wie großartig war es, jetzt wirklich hier zu stehen – entgegen allen Unkenrufe und trotz aller Kämpfe und Schwierigkeiten.

Der Tennisball in meinem Hals schwoll an und an – und ich hab mich in eine Ecke verkrümelt und geheult.

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Nach DEM Tag war zumindest mit mir emotional nicht mehr viel anzufangen, ich war ganz schön durch den Wind. Die Rückfahrt nach Urubamba mit dem Zug und die folgende Weiterfahrt nach Cusco (einschließlich Meerschweinchen vom Spieß essen) lief mehr oder weniger an mir vorbei. Ich glaube, es wird ein wenig dauern, bis ich das verarbeitet habe…

Tag 9: Freier Tag in Cusco

Den letzten Tag in Cusco nutzen wir vor allem, um noch etwas vom eingangs erwähnten Inti Raymi mit zu bekommen. Das Glück (oder Pachamama Smiley) war uns hold, und wir erwischten, einer Eingebung von mir folgend, tatsächlich einen Balkonplatz in einem Restaurant – geradezu unglaublich, waren alle anderen “Logenplätze” doch lange reserviert!

Dort konnten wir die Aufführungen der indianischen Geschichte Cuscos verfolgen – GÄNSEHAUT pur!

Viel zu bald mussten wir los, wir hätten gerne noch länger zugesehen. Aber der Flieger nach Lima hat leider nicht gewartet… Trauriges Smiley

Unvergessliche Tage liegen hinter uns, mein Plan, im Auslandspraktikum möglichst viel Geld zu sparen, ist ziemlich in die Hose gegangen – dafür wird aber kursintern schon freundlich gespöttelt: “Und wir fahren dann Kerstin besuchen, die kennt das Land nach einigen Monaten wie ihre Westentasche!”Verlegenes Smiley Smiley mit geöffnetem Mund

Aber dennoch: Ich bereue keinen einzigen Cent, den ich hier investiert habe. Man reist anders, wenn man in einem Land lebt – aber nicht weniger intensiv. Die Erfahrungen, Erlebnisse und Emotionen, die ich sammeln durfte, werden mich mein Leben lang begleiten – ein kleines Guthaben für Zeiten, in denen es vielleicht mal weniger gut für mich läuft.

Mein Leben ist ein einziger Traum, so, wie es jetzt ist. Ich bin so unglaublich dankbar, dass ich dies alles erleben durfte und darf – vor zwei Jahren war daran noch nicht zu denken.

Und was auch kommt, ich werde immer die Erinnerung an diese Zeiten haben, in denen ich durch Südamerika reisen durfte – wie ich es mir immer, immer gewünscht habe.

Und nächstes Jahr um diese Zeit bin ich … irgendwo. Und ich hoffe, die dortige Gottheit ist mir so hold, wie hierzulande Pachamama. Smiley

 

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Perú – 1. Reise

Über ein Jahr ist es her, dass ich das letzte Mal gebloggt habe. Und das liegt nicht daran, dass nichts passiert wäre – es ist einfach so VIEL passiert, dass ich nicht gewusst hätte, wo ich anfangen soll.

Der Traum von der Welt – er ist wirklich, wirklich wahr geworden. Happy

Und “Irgendwo hier” wurde zu “GANZ schön weit weg” – Ich sitze in Lima, Perú, während ich dies schreibe.

Ankunft war Anfang Dezember; und Anfang Januar ging es dann mit dem BestenEhemannVonAllen direkt auf eine erste Reise, um das Land kennen zu lernen. Und darum soll es in diesem Blogbeitrag gehen.

Wer mehr Bilder sehen möchte, der möge auf der Flickr Seite des Göttergatten stöbern. Happy

Organisiert wurde das ganze von Papaya Tours. Die Firma hat den Hauptsitz zwar im guten alten Kölle, ist aber auch in Perú, in Arequipa vertreten. Direkt mal vorweg: Das war eine richtig gute Wahl! Die Reise war erstklassig organisiert, die Guides hervorragend ausgebildet und alles hat reibungslos geklappt – was ich definitiv NICHT erwartet hatte. Normalerweise gilt hier in Perú die “Hora peruana” – peruanische Zeit. Was die Steigerung des spanischen “mañana” darstellt. Ich hatte also mit allem gerechnet, aber nicht mit deutscher Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Ganz toll! Applause

Wir hatten uns ein straffes Programm vorgenommen: Von Lima aus mit dem Bus zur Oase Huacachina, Paracas mit den Islas Ballestas, Nasca, Arequipa, Colca Canyon und dann mit dem Flieger zurück.

Los gings relativ früh am 06.01.15

 

Tag 1: Lima – Oase Huacachina

Am frühen Morgen begeben Sie sich selbstständig zum Busterminal in Lima. Mit dem komfortablen Bus fahren Sie entlang der Panamericana in Richtung Süden, vorbei an Stränden und Dünen, bis Sie schließlich die Kleinstadt Ica erreichen (Fahrtzeit ca. 4 Stunden). Hier werden Sie empfangen und zur nahe gelegenen Oase Huacachina gebracht, wo sich ihr Hotel befindet. Die Oase, deren Zentrum eine kleine Lagune bildet, liegt inmitten hoher Sanddünen und strahlt eine Atmosphäre wie aus den Märchen von 1001 Nacht aus. Der Nachmittag steht Ihnen zur freien Verfügung. Wir empfehlen Ihnen, eine spektakuläre Buggytour durch das endlos erscheinende Dünenmeer zu unternehmen

Die Linienbusse sind hier wirklich sehr komfortabel. Papaya Tours hatte uns ganz oben vorne eingebucht – perfekt! Und bei der Oase angekommen, trauten wir unseren Augen nicht: Ja sind wir denn in einem Märchen aus 1001 Nacht gelandet??

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Inmitten einer großen Sandwüste liegt die Oase Huacachina. Ein Teich und hundert Hotels – aber schön ist es doch! Happy

Wir kamen im urgemütlichen Hotel El Huacachinero unter. Ein Traum:

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Selbstverständlich haben wir auch die Buggytour gemacht und sind die Sanddünen runtergerutscht:

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Unvergessliche Augenblicke und Ausblicke – ich war noch nie in der Wüste und das ist wirklich, wirklich beeindruckend!

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Und als dann am nächsten Morgen der Vollmond über den Dünen stand, habe ich mich endgültig in ein Märchen versetzt gefühlt.

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Tag 2: Ballestas Inseln – Halbinsel Paracas – Oase Huacachina

Ein abwechslungsreicher Tag mit interessanten Kontrasten wartet auf Sie. Nach dem Frühstück werden Sie am Hotel abgeholt und begeben sich zunächst auf einen Bootsausflug (ca. 1,5 Std) zu den Ballestas Inseln, die durch ihre reiche Tierwelt bekannt sind. Auf den ungewöhnlich geformten Felsen der Inseln nisten zehntausende von verschiedenen Seevögeln wie z.B. Pelikane und Blaufußtölpel. Die eigentlichen Hauptdarsteller sind aber die possierlichen Seelöwen; mit etwas Glück sehen Sie auch Pinguine und Delphine. Wieder an Land, geht es im privaten Transport, weiter zum Besuch des Naturschutzgebietes Reserva Nacional de Paracas. Danach geht es zurück zur Wüstenoase Huacachina. Hier können Sie sich im Pool des Hotels entspannen und einfach die gemütliche Atmosphäre genießen.

In Paracas erwartete uns schon unser Guide, um uns zu unserem Boot zu bringen. Die Tour zu den Islas Ballestas war einfach unglaublich schön. Noch nie habe ich Pinguine oder Seelöwen “live” gesehen. Noch nie konnte ich so viele (VIELE!) Vögel auf einem Haufen beobachten. Und noch nie war ich so froh, wie an diesem Tag, einen Hut zu tragen!!! Tongue

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Zurück in Paracas ging es direkt weiter: Nach einer kurzen Stadtrundfahrt machte der Minibus sich auf ins Naturschutzgebiet Reserva Nacional de Paracas. Durch eine Mondlandschaft…

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… bis an die Steilküste. Die Ausblicke nahmen mir fast den Atem:

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Am Playa la Minca gab es Mittagessen, welches wir neugierig beäugt von zahllosen Pelikanen zu uns nahmen. Ganz schön groß, die Biester! Surprise

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Von dort aus traten wir die Rückreise zur Oase Huacachina an.

 

Tag 3 – Huacachina – Nasca – Flug über die Nascalinien

Nach dem Frühstück werden Sie zum Busterminal nach Ica gebracht, wo Sie die kurze Fahrt nach Nasca antreten (ca. 2 Stunden). Am Nachmittag steht Ihnen noch ein großes Highlight bevor, die weltberühmten und von Sagen umwobenen Nascalinien. Die enormen Tier- und Menschenfiguren werden Sie bei einem spektakulären Überflug aus der Luft bewundern können (der Flug alleine ist schon ein Erlebnis!).

Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich (irgendwann mal, als ich noch jung und schön war! Big Grin) mal Altamerikanistik studiert habe. Und natürlich sind da auch die Nasca-Linien ein Thema. Damals hätte ich nie, nie, NIE gedacht, dass ich die mal live sehen würde. Unfassbar!!

Da ich weiß, dass ich zu Bewegungskrankheit neige, und den Flug genießen wollte, statt mich darauf konzentrieren zu müssen, nicht das Flugzeug vollzureihern, warf ich mir vor dem Flug zwei Gravol ein – ein ganz fabelhaftes Mittel gegen Übelkeit. Das war eine kluge Entscheidung, denn: Das war ein verdammt KLEINES Flugzeug!! Surprise

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Sechs Sitze inklusive Pilot und Co-Pilot. Na Prost Mahlzeit – dagegen war der Motorsegler, in dem ich im Rahmen eines Zeitungsartikels mal mitfliegen durfte, ne echte Linienmaschine!

I can’t help it: I am a flight addict! Ich liebe es, zu fliegen, egal, wohin, egal, wie lange, und je mehr es wackelt, je unmittelbarer das Flugerlebnis ist, desto glücklicher bin ich! Happy Und unmittelbarer, als in so einer Minimaschine, geht es kaum!

Was soll ich sagen: Es war unfassbar toll. Ein erhebendes Gefühl, diese Linien mal selber sehen zu dürfen. Und Hut ab vor denen, die sie geschaffen haben – in glühender Hitze, ohne moderne Werkzeuge, zu Ehren der Götter, in der Hoffnung auf Regen (So zumindest der Stand der Forschungen über die Nasca-Linien)

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Den Abend verbrachten wir in unserem urgemütlichen Hotel Oro Vjeo.

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Tag 4 – Nasca – Gräber von Chauchilla – Aquädukte – Arequipa

Nach dem Frühstück brechen Sie auf und besichtigen die Gräber von Chauchilla, wo Sie gut erhaltene und über 1000 Jahre alte Mumien der Poroma-Kultur zu Gesicht bekommen. Später unternehmen Sie noch einen Ausflug zu den unterirdischen Aquädukten von Nazca, die von den Inkas errichtet wurden und noch heute von den ansässigen Bauern genutzt werden, um ihre Felder zu bewässern. Am Nachmittag treten Sie die Weiterfahrt nach Arequipa (Fahrtzeit ca. 8 Stunden) an. Nach ihrer Ankunft am späten Abend werden Sie abgeholt und zum Hotel gebracht.

Am nächsten Morgen holte uns unser Guide am Hotel ab und wir durften noch ein wenig Kultur tanken. Los ging es mit den Aquädukten von Nasca, die wir bei strahlendem Wetter vor dem Hintergrund der Anden besichtigten. Wenn der Tag mit so einem Blick beginnt, kann er kaum besser werden!

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2.000 Jahre sind diese Relikte alt. Was wird man wohl von uns in 2.000 Jahren finden?

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Nach einem kurzen Stop an einer weiteren Ausgrabungsstätte…

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… ging es dann weiter zu den berühmten Gräbern von Chauchilla.

Der Friedhof, der aus der Vorinkazeit stammt, beherbergt bis zu 1.000 Jahre alte Artefakte. Ich will nicht schon wieder “beeindruckend” sagen, aber mir gehen echt die Superlative aus!

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Eine morbide, aber doch faszinierende Atmosphäre!

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Tag 5 – Stadtbesichtigung in Arequipa

Am Vormittag laden wir Sie zu einem privat geführten Stadtrundgang (deutschsprachig) durch Arequipa ein. Der Höhepunkt ist hier unumstritten der Besuch des mystischen Nonnenklosters Santa Catalina. Hier lebten über einen Zeitraum von 300 Jahren bis zu 150 Nonnen und Ihre Dienstmädchen völlig abgeschlossen von der Außenwelt. Erst 1970 öffneten sich die Klostertore das erste Mal für die Öffentlichkeit.

Auch in der “weißen Stadt” Arequipa hatten wir wieder einen privaten Guide, der uns mit viel Engagement zwei Stunden lang durch seine Heimatstadt führte.Von der Plaza de Armas bis hin zum riesigen überdachten Markt wurde nichts ausgelassen.Schnell wurde klar, warum die Stadt den Beinamen “die weiße” trägt!

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Der riesige Markt mit allerlei Leckerem und weniger Leckerem …

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Im Anschluss daran gab es noch eine einstündige Führung durch das Santa Catalina Kloster.

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Wir ließen den Tag bei einem Glas Wein auf der Dachterasse unseres Hotels ausklingen.

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Tag 6 – Arequipa – Colca Canyon

Mit einer kleinen, internationalen Gruppe (englischsprachig) geht es am frühen Morgen zum Colca Canyon, der, nach peruanischen Angaben, tiefste Canyon der Welt. Genießen Sie den Ausblick auf die Vulkane Misti und Chachani, bevor Sie einen kurzen Halt im Nationalreservat Pampa Cañahuas (3.400 m) einlegen, um Lamas, Alpacas und Vicuñas in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Außerdem besteht die seltene Möglichkeit, Anden-Kondore und die berühmten Riesenkolibris (die größten der Welt) zu erspähen. Daneben ist das Reservat auch Heimat von weiteren 170 Vogel- und 20 Kakteenarten. Am Patapampa Pass, mit 4.820 m der höchste Punkt der Tour, haben Sie einen beeindruckenden Blick auf die umliegenden Berge und Vulkane. Nach einem kurzem Besuch von Chivay (ca. 3.650 m) essen Sie erst einmal zu Mittag (nicht im Preis enthalten). Am Nachmittag besuchen Sie das authentische Dorf Corporaque, wo die Möglichkeit besteht, die Umgebung oder die Ruinen von San Antonio im Rahmen einer kurzen Wanderung zu besichtigen (ca. 1 – 2 Stunden). Anschließend entspannen Sie in den Thermalquellen von Chivay (Badesachen nicht vergessen!), bevor Sie zu Ihrer Unterkunft gebracht werden.

Das war dann der einzige Tag, an dem einfach mal alles schief ging. Ich wachte morgens im Hotel mit tierischen Kopfschmerzen auf. Die Fahrt auf bis zu 4.950 Meter Höhe über den Andenpass machte es nicht besser. Den Cache, der auf dem Pass liegen sollte, konnten wir nicht finden bei dem kurzen Stopp. Ich vertrug die peruanischen Kopfschmerztabletten nicht, jede Stufe wurde durch die Höhe zur Herausforderung, HW bekam Nasenbluten, es gab ein Erdbeben, das Wasser im Hotel fiel dadurch aus und dann war in der heißen Quelle kein heißes Wasser, sondern nur pipiwarmes. Uff. Und so saßen wir da, etwas bedröppelt, sahen uns an, sahen auf das unfassbar tolle Andenpanorama – und seufzten: Aber schön isses doch!! Happy

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Der Abend klang versöhnlich aus in dem absolut süßen Hotel Casa de Mamayacchi – mit Lama! Big Grin

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Tag 7 – Colca Canyon – Cruz del Condor – Andendörfer – Arequipa

Das Frühstück macht bei dieser Tageszeit seinem Namen alle Ehre. Das frühe Aufstehen ist unerlässlich, denn die Kondore sind nur am frühen Morgen zu beobachten, wenn Sie die spezielle Thermik am Morgen nutzen, um sich durch die Lüfte tragen zu lassen. Vom Cruz del Condor aus kann man nicht nur die Vögel wunderbar beobachten, sondern hat einen beeindruckenden Blick in den Canyon, der hier ca. 1.200 m tief ist. Bei einem kurzen Spaziergang auf einem Weg entlang der Schlucht bieten sich zahlreiche Gelegenheiten für tolle Fotoaufnahmen der Umgebung. Auf der Rückfahrt durch die Orte Maca, Pinchollo und Yanque werden Sie immer wieder mit herrlichen Ausblicken auf die Terrassenhänge belohnt und haben auch Gelegenheit, die schöne Kolonialkirche in Yanque und die berühmten Gräber der Collagua, die sich hier in den Felsen befinden, zu bewundern. Nach dem Mittagessen in Chivay (nicht im Preis enthalten) treten Sie die Rückfahrt nach Arequipa an, wo Sie am späten Nachmittag ankommen und an Ihrem Hotel abgesetzt werden.

An dem Morgen schlug ich die Augen auf, lauschte misstrauisch in mich hinein … und siehe: Keine Kopfschmerzen! Das ist GUT!

Als wollten die Anden sich für den Ärger von gestern entschuldigen, zeigten sie sich heute von ihrer allerbesten Seite. Und der Colca Canyon ist  … well, mal wieder: Beeindruckend!!! Aber seht selbst!

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Und Condore haben wir auch gesehen… einige wenige

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Die Rückfahrt nach Arequipa ofenbarte dann nochmal die ganze karge Schönheit der Anden – diesmal konnte ich sie auch wirklich genießen. Und den doofen Cache haben wir dann auch noch gefunden! Tongue

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Der letzte Abend in Arequipa…

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… und dann hieß es schon Abschied nehmen! Am nächsten Tag ging unser Flieger zurück nach Lima und eine unvergessliche Woche somit zu Ende.

Was für ein Erlebnis! Die Eindrücke und Erfahrungen, die wir hier gemacht haben, werden wir wohl nie vergessen – Perú ist ein faszinierendes Land und ich bin unglaublich dankbar, dass ich die Gelegenheit bekommen habe, dies alles wirklich einmal zu sehen und zu erleben.

Im Juni kommt HW wieder, und die nächste Reise ist schon geplant – Cusco, Machu Picchu, Puno, Titicaca-See. Can’t wait!

Und bald muss ich mich schon auf den ersten Posten bewerben… und wenn alles gut geht, bin ich übernächstes Jahr um diese Zeit schon irgendwo anders auf dieser wunderschönen Welt, die nur darauf wartet, von mir entdeckt zu werden! Happy

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Der Traum von der Welt

Facebook Status 04. Januar 2013:

*vorsichtig optimistisch*
Hoffnung ist was Schönes. Hoffen wir mal, dass Perspektive draus wird! Smiley

Damit fing es an im letzten Jahr.

Obwohl – nein, eigentlich fing es doch viel früher an. Viel, viel früher.

Genauer gesagt im Jahr 2003. Da traf es mich wie ein Schlag, als ich mitten in Sinn- und Jobsuche durch Zufall auf die “Ausbildung und Karriere”-Seite des Auswärtigen Amtes traf.

Könnten Sie sich vorstellen,

  • Ihren Arbeitsplatz fern von Ihrem Heimatort einzunehmen?
  • Im Ausland mit Ihrer Familie oder Ihrer Partnerin/Ihrem Partner für längere Zeit zu leben?
  • Alle drei bis vier Jahre umzuziehen?

Ist es Ihnen wichtig, im Team zu arbeiten, dazu beizutragen, dass Sie gemeinsam Erfolg haben?

Sie möchten fremde Länder kennen lernen, sich mit anderen Sprachen und Kulturen befassen?

Können Sie sich dafür begeistern, systematisch zu arbeiten und Ordnung in Dinge zu bringen? Dafür zu sorgen, dass die Kasse stimmt und die Akten geordnet sind? Haben Sie die Nerven, auch den 50. Kunden noch freundlich und aufmerksam zu behandeln?

Sie sind mindestens 18 Jahre alt, haben die deutsche Staatsangehörigkeit und befinden sich in einer Situation beruflicher (Neu-) Orientierung?

[…]

Dann könnte eine Laufbahn im mittleren Auswärtigen Dienst eine interessante Perspektive für Sie sein.

Kann ich mir das vorstellen? HÖLLE JA!!! Smiley mit geöffnetem Mund

Seit Jahren ändert sich mein Leben ständig, ich bin Experte im Neuanfangen. Und ich MÖCHTE es auch gar nicht anders. Mir graust bei der Vorstellung, heute schon zu wissen, was ich in drei Jahren an diesem Tag um diese Zeit tue. Ich liebe und brauche die ständige Herausforderung von Wandel und Veränderung – und trotzdem auch Sicherheit. Beides hätte ich beim Auswärtigen Amt in idealer Kombination!

Also habe ich mich beworben, es auch glücklich durch das schriftliche Auswahlverfahren geschafft und fand mich dann irgendwann zum mündlichen Auswahlverfahren damals noch in Bonn wieder.

Und da war dann leider Schluss.

Einige Wochen später bekam ich einen Brief: “Es hat leider nicht geklappt, alles Gute und so weiter, mit freundlichen Grüßen.” Und wie eine Seifenblase zerplatzte der Traum von der großen weiten Welt. Trauriges Smiley

Ich muss ehrlich gestehen: Das hat mich ziemlich mitgenommen, damals. Der Job war (und ist!) einfach mein Traumberuf. Und mich hat tief verunsichert, dass ich nicht wusste,WARUM ich gescheitert bin. Ich weiß es bis heute nicht. Also habe ich mich eingeigelt und in den nächsten zehn Jahren das getan, was ich schon immer am besten konnte: Mich irgendwie durchgeschlagen.

Nur ganz losgelassen hat es mich nie. Und damit kommen wir auf Anfang 2013. Da habe ich einem Freund davon erzählt, der nur meinte: “Na dann versuch’s doch nochmal!” Ach wenn ich doch könnte… aber inzwischen bin ich zu alt! “Nein”, sagte er. “Die Altersgrenze gibt’s nicht mehr!”

BITTE WAS?!?!

Auf sprang sie, flitzte zum Rechner und googelte nach den Voraussetzungen. Und siehe da:

Seit Inkrafttreten der Bundeslaufbahnverordnung (BLV) vom 12.02.2009 gibt es für die Einstellung in die Laufbahnen des Auswärtigen Dienstes keine Höchstaltersgrenze mehr.

Das ist ein Zeichen! Der Freund saß vergessen am Tisch und ich – ja, ich machte meine Bewerbung fertig. Smiley

Es hat sich schon ein bisschen so angefühlt, wie den Traummann um ein zweites Date zu bitten, obwohl man sich schon einen Korb eingefangen hat, aber okay. Wer nicht wagt…

Und dann gab es oben genannten Facebook Status.

Einige Wochen später erhielt ich das Schreiben mit der Einladung zum schriftlichen Auswahlverfahren – was ich auch glücklich wieder bestand. Das mündliche Auswahlverfahren fand am 09.09.2013 im auswärtigen Amt in Berlin statt.

Wir waren sieben und es ging gut zur Sache. Ablauf:

– Vorstellung vorm Auswahlausschuss. Das waren nicht fünf, auch nicht sechs, sondern ganze ZWÖLF Leute, die da saßen. Ich musste erklären, warum ich mich dafür interessiere, was ich vorher gemacht habe, was meine Stärken und Schwächen sind. Danach gab es Beispiele aus der Praxis unter dem Motto: „Wie würden SIE reagieren??“ Den Lacher hab ich geerntet bei: „Sie sind in Botschaft XY, es ist ein Delegationsbesuch, sie werden von allen möglichen wichtigen Leuten aufgehalten und schaffen ihre eigentliche Aufgabe unmöglich, ohne Überstunden zu machen. Wie reagieren Sie??“ Ich: „Ich mache Überstunden?!“ Prüfungsausschuss *guckt fragend.“ Ich: „PUNKT!“ Cooles Smiley

– Danach ein Einzelgespräch mit einem Psychologen, wo einige Punkte nochmal genauer nachgefragt wurden, unter anderem auch wieder das „was wäre wenn“ Szenario. Und: “Was sagen denn ihre besten Freunde dazu, dass Sie vielleicht ins Ausland gehen?” “Die haben die Koffer schon gepackt!!” Smiley mit geöffnetem Mund

– Dann ein Kurzreferat: Zusammenfassung der Situation (mal wieder was wäre wenn) und Aufzeichnen der drei möglichen Lösungswege mit Begründung, warum man sich für einen bestimmten entschieden hat. Vortrag in 5 Minuten. Unter vier oder über 6 gab Punkteabzug. Ich war in der Zeit und hier glaube ich ziemlich stark.

– Dann Gruppendiskussion, vier Leute: „Sollte Deutschland diplomatische Beziehungen auch zu einem Land unterhalten, welches die Menschenrechte nicht achtet?“ Zwei Pro, zwei Contra. Hier bin ich mir nicht sicher, ob ich nicht etwas übers Ziel hinausgeschossen bin – ich kann nämlich scheiße gut diskutieren. Man sagte uns zwar vorher, wir sollen kontrovers und lautstark unsere Meinung vertreten, bin aber nicht sicher, ob es so Sinn der Sache war, dass ich der „Gegenseite“ so lange die Worte im Mund rumdrehe, bis ihr die Argumente ausgehen. Ich hab’s in der Diskussion gemerkt und war dann die, die auf Kompromiss umgeschwenkt ist – aber ich fürchte, man hat mir meinen Spaß vorher schon angemerkt… Punk

– Zum Schluss eine Gruppenaufgabe: Erstellen eines Rahmenprogramms für eine Jugendgruppe in Berlin. Das war wieder ok, nicht zuletzt, weil ich in Berlin gelebt habe und wir deshalb sehr schnell konkret werden konnten.

Als ich da rauskam, habe ich mich gefühlt, wie von einem LKW überfahren – und konnte überhaupt nicht einschätzen, wie ich abgeschnitten hatte.

Zum Glück gab es in den nächsten Wochen genug, um mich abzulenken, sonst wäre ich verrückt geworden.  (Siehe den Bericht über die gewonnene Kreuzfahrt. Smiley)

Und dann am 05.11.13, während ich arbeiten war, kam die Mail:

Sehr geehrte Frau Schlieper,
für Ihre Teilnahme am mündlichen Auswahlverfahren für den mittleren Auswärtigen Dienst
danke ich Ihnen. Das Auswahlverfahren ist inzwischen abgeschlossen und die
Entscheidungen zu den Einstellungen sind getroffen worden. Wir freuen uns sehr, Ihnen
hiermit vorab mitteilen zu können, dass Sie für die Einstellung in den Vorbereitungsdienst
für die Laufbahn des mittleren Auswärtigen Dienstes zum 04.04.2014
vorgesehen sind.

 

Wait – WHAT???

Ich gestehe: Ich hab geheult! Smiley

Ich bin sofort ins Büro meines Chefs gerannt (der zum Glück von vorneherein Bescheid wusste und auch die Daumen gedrückt hat, Zitat: “Also wenn Du Dich bei einer anderen Firma im Kundenservice bewerben würdest, dann wäre ich irritiert – aber DAS hier?? Mach das, das ist eine riesen Chance!”). Ich stand in der Tür, kreidebleich, Tränen in den Augen und hielt ihm mit zitternden Händen das Handy hin – RUMMS, ließ er alles fallen, was er gerade in den Fingern hatte, weil er dachte, ich fall ihm jetzt längelang ins Büro. Smiley mit geöffnetem Mund Aber nein, das waren Freudentränen… Smiley

Wie geht’s jetzt weiter? In dem Schreiben stand noch:

[…]

Die Entscheidung über Ihre endgültige Einstellung steht unter dem ausdrücklichen
Vorbehalt, dass
► Ihre uneingeschränkte gesundheitliche Eignung, ggf. auch die Ihrer Familienangehörigen,
für die Verwendung in allen Einsatzgebieten des Auswärtigen Dienstes durch den
Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amts festgestellt wird,
► sich aufgrund einer Sicherheitsüberprüfung keine Bedenken ergeben, die Ihre
Verwendung im Auswärtigen Dienst einschränken oder ausschließen,
► Sie einen gültigen Staatsangehörigkeitsausweis zum Nachweis Ihrer deutschen
Staatsangehörigkeit beibringen, und
► Sie alle übrigen vom Personalreferat benötigten Unterlagen rechtzeitig vorlegen

Tante Google hilft ja immer. In diesem Fall fand ich erst ein Forum, in dem sich schon einige gefunden hatten, die auch eine Zusage bekommen hatten – und darüber dann die frisch gegründete Facebook Gruppe “RSA ‘14”. 16 zukünftige Kollegen hatten sich dort bereits versammelt. Wie cool ist das denn? Es war total schön, sich hier schon ein bisschen “kennen zu lernen” und zu sehen, wer es noch so geschafft hat. Die Bandbreite ist wirklich groß, sowohl, was die vorherigen Tätigkeiten angeht, als auch bezüglich des Alters. Von Anfang 20 bis Ende 30 ist alles dabei – okay, ICH bin Ende 30. Ich bin dann wohl die Gruppenmami… Smiley mit geöffnetem Mund

Und wie wir so plauderten und scherzten und uns auch ein bisschen selbst beweihräucherten (hey – wir sind die, die aus über 1000 Bewerbungen übrig geblieben sind!), wussten wir noch nicht, was wir da losgetreten hatten… einen Papierkrieg epischen Ausmaßes… Nur ein Scherz

Anfang Dezember holte uns dann die Realität wieder ein. Mit dem Betreff “Ihre vorgesehene Einstellung im mittleren Auswärtigen Dienst” flatterte eine Email in mein Postfach, bei der mir erst mal der Unterkiefer runter fiel.

Einzureichen sind: Geburtsurkunden, Heiratsurkunden, Zeugnisse, Nachweise, Personalbögen, und Abstammungsnachweise unserer Väter Väter Väter Väter…

Selbstverfreilich sämtliche Urkunden im Original und sämtliche Zeugnisse und sonstige Nachweise beglaubigt.

UFF! Erstauntes Smiley

Ich bin mir ja ziemlich sicher, dass DAS der eigentliche Einstellungstest war, nicht das schriftliche oder mündliche Auswahlverfahren! Alles schrie: “Das hier ist eine BEHÖÖÖÖRDE! Bist Du Dir SICHER, dass Du das willst??” Smiley mit geöffnetem Mund

Alleine der “Staatsangehörigkeitsausweis” ist eine Sache für sich. Ich dachte immer, es reicht, dass in meinem Ausweis steht, dass ich Deutsche bin. Aber mitnichten – bis 1950 muss die deutsche Staatsbürgerschaft nachgewiesen werden. Auch hier wieder: Geburtsurkunden, Heiratsurkunden, die der Eltern und Großeltern, alles im Original. Hui, man lernt eine Menge über seine Familie bei der Gelegenheit! Smiley mit geöffnetem Mund

Hätte ich die Facebook Gruppe nicht gehabt in dieser Zeit, hätte ich mich wahrscheinlich in die Ecke gesetzt und geweint. Aber so konnten wir uns gegenseitig helfen und unterstützen, jeder konnte ein paar Informationen beitragen und Emails als Nachfrage ans Auswärtige Amt mussten nur einmal und nicht 17 mal gesendet werden – top! Smiley

Wobei ich ehrlich sagen muss. Die Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes, mit denen ich bislang zu tun hatte, waren durch die Bank mehr als geduldig und herzlich. Nicht nur freundlich, sondern wirklich herzlich. Vermutlich sitzen sie jedes Jahr um diese Zeit mit Popcorn im Büro, wenn die Zusagen raus gegangen sind und völlig kopflose zukünftige Anwärter sich mit tausend Fragen melden – aber die Antworten sind immer super nett und geduldig. Nie hatte ich das Gefühl, dass es jemandem zu viel wird oder ich störe. Mit solchen Menschen möchte ich wirklich gerne zusammenarbeiten! Smiley Daumen hoch

Gerade kehrte ein bisschen Ruhe und vorsichtiger “och das klappt schon” Optimismus ein, da kam das nächste Schreiben:

Sehr geehrte Frau Schlieper,

anbei erhalten Sie die Einladung für die Einstellungsuntersuchung, den ärztlichen Fragebogen, das Merkblatt „zur Beachtung“ sowie den Antrag auf Erstattung der Reisekosten.

Und wieder: Ausfüllen von Personalbögen, eintragen von Daten… beim Blick auf die Checkliste für den Doc machte sich leichte Übelkeit breit. Himmel, gibt’s irgendwelche Löcher, in die der NICHT guckt?? Krankes Smiley

Außerdem rücken jetzt andere Unsicherheiten in den Fokus: Verdammt, ich trage Hörgeräte. Außerdem habe ich eine Schilddrüsenunterfunktion. Und eine Prolaktinüberfunktion. Und überhaupt!

Also kurzerhand beim medizinischen Dienst angerufen: “Ich weiß, sie haben sicherlich im Moment viel zu tun, weil viele Anwärter sich bei Ihnen melden…” Trockene Antwort des Arztes: “Ach das geht. Hier rufen nur die Kranken an!” Vor Lachen auf dem Boden wälzen

Auch hier war die Gruppe wieder ein riesiger Rückhalt. Schon jetzt stellt sich heraus: Das wird ein tolles Team. Und irgendwie hat fast jeder so seine Wehwehchen und Zweifel – gemeinsam hält sich das besser aus.

Und lange konnte ich mir sowieso keine Sorgen machen – denn schon war die nächste Mail im Postfach:

Sehr geehrte Frau Schlieper ,Ihre Einstellung in den Geschäftsbereich des Auswärtigen Amts erforderteine Sicherheitsüberprüfung (Ü2) nach dem Sicherheitsüberprüfungsgesetz.Einzelheiten zum Zweck und Umfang der Sicherheitsüberprüfung können Sieden beigefügten Hinweisen entnehmen.

Und wieder: Personalbögen ausfüllen, Daten eingeben, Fragen beantworten. Ich glaube, das Einzige, was das Auswärtige Amt jetzt noch NICHT von mir weiß, ist meine Schuhgröße, alles andere wurde abgefragt! Cooles Smiley

Am 20.11.13 fand die Gesundheitsprüfung im Auswärtigen Amt in Berlin statt. Die Untersuchung an sich war dann halb so wild – kein Vergleich mit dem Kopfkino angesichts der Checkliste. Smiley mit herausgestreckter Zunge

Nun war ich auf dem Stand: Vorbehaltlich Laborwerte alles ok!

VORBEHALTLICH ist übrigens mein Unwort des Jahres! Cooles Smiley

Nach der Untersuchung stand noch ein gemeinsamer Brunch an. Es war super schön, ein paar der zukünftigen Kollegen kennen zu lernen – hat man doch inzwischen auch schon privat mit dem einen oder anderen etwas mehr zu tun. Ein gutes Gefühl macht sich breit: DAS WIRD WAS! Da ist Harmonie und Sympathie. Wenn alles klappt… ach wenn… ich wage es immer noch nicht, wirklich daran zu glauben. So dicht davor – wenn jetzt noch etwas schief geht, dann geht’s mir aber richtig schlecht!!

Die nächsten Wochen waren die Hölle. Ist alles gut? War das Blutbild ok? Die anderen Laborwerte?

Am 03.01.14 dann die erlösende Mail:

Gesundheitliche Bedenken: Keine

Die weltweite Versetzbarkeit ist gegeben

YESSSS!

JETZT glaube ich langsam daran, dass das wirklich WIRKLICH klappt!

Wenn alles gut geht, bin ich nächstes Jahr um diese Zeit schon im neunmonatigen Auslandspraktikum – WIE GEIL IST DAS DENN???

Wo?

Keine Ahnung! Irgendwo! Irgendwo hier: Smiley

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Endgültige Zusagen gibt es Anfang Februar. Bis dahin feiere ich noch nicht. Zu oft bin ich in den letzten Jahren ganz kurz vorm Ziel gescheitert – zu groß wäre die Enttäuschung.

Aber dennoch: Hier ist er. Mein Traum. In greifbarer Nähe.

Welt, ich komme! Smiley

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Costa Favolosa – Spanien, die Balearen, Malta, Italien Oktober 2013

 Vorab: Hier gibt es nur eine kleine Auswahl der fast 800 Bilder, die ich gemacht habe. 🙂 Alle anderen sind hier zu finden!

Alles ging los mit einem Aufruf von Activia, die in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift “Freundin”, “Die Heldin Deines Lebens” suchten.

Hier habe ich mich spontan beworben, mit meiner Oma.

Irgendwann kam dann die Nachricht: Ihr seid unter den letzten 50. Dann unter den letzten zehn. Ich habe alles mobilisiert, was ich so an Kontakten hatte, und alle haben wir mit Spannung das Ergebnis erwartet. Eines Morgens dann bekam ich während ich arbeiten war eine Email, die mich so laut losschreien ließ, dass den erschrockenen Kollegen die Headsets von den Köpfen fielen:

Herzlichen Glückwunsch Frau Kerstin Schlieper,

Du hast beim Danone Gewinnspiel „Heldin Deines Lebens“  eine Kreuzfahrt für Dich und Deine Heldin gewonnen.

Für die weitere Abwicklung benötigen wir innerhalb von 14 Tagen Deine vollständige Adresse und Telefonnummer. Unser Reisebüropartner wird sich dann mit Dir in Verbindung setzen.

ACHTUNG: Wenn du Dich innerhalb dieser Zeit nicht melden solltest, findet automatisch eine Neuziehung statt. Dein Gewinn würde damit  ersatzlos verfallen.

Mit freundlichen Grüßen aus Wiesbaden

Edith Mohr

Assistentin der Geschäftsführung

Das Gefühl in diesem Moment war geradezu unglaublich. Die Kollegen haben mir auch verziehen, als ich erzählt habe, WARUM ich so losgebrüllt habe. Zwinkerndes Smiley

Ich habe mich natürlich nicht binnen 14 Tagen, sondern binnen 5 Minuten gemeldet – und damit war das Ding in trockenen Tüchern. UNGLAUBLICH!

Bald hat sich dann Sven Hartig von Authentic Travel mit mir in Verbindung gesetzt. Der arme Mann sah sich einer völlig aufgekratzen Gewinnerin gegenüber, die am liebsten SOFORT losgefahren wäre und ungefähr sieben Mal täglich im Reisebüro anrief, um noch irgendwas zu fragen. Ich glaube, nach der Abwicklung dieser Buchung brauchte er selbst erst mal eine Kreuzfahrt! Cooles Smiley

Nach verschiedenen Ideen, die alle aufgrund unterschiedlicher Umstände so nicht realisierbar waren, haben wir uns dann doch für eine all inclusive wir lassen uns den Popo nachtragen Mittelmeerreise entschieden: Spanien, die Balearen, Malta und Italien auf der Costa Favolosa mit Balkonkabine, Getränkepaket und Frühstück ans Bett. Zwinkerndes Smiley

Was hab ich mir im Vorhinein alles an Unkenrufen anhören dürfen. Mal vom Costa Concordia Unglück abgesehen, hieß es: Massenabfertigung, viel zu laut, chaotisch, unstrukturiert, Essen schmeckt nicht!

Vorab: Alles Quatsch! Das auf einem Schiff mit fast 3800 Passagieren, dazu ein Großteil davon italienischer Herkunft, nicht eben meditative Stille herrscht, ist logisch. Aber man konnte sich trotz allem aus dem Weg gehen, die Orga war vorbildlich und die Logistik bei den Ausflügen nötigt mir echt Respekt ab – das lief alles völlig reibungslos! Das Essen ist phantastisch und das Personal überwiegend super freundlich. Das es bei den Fahrstühlen oder am Mittagsbuffet mal zu Wartezeiten kommt während der Stoßzeiten hat mich nur ganz geringfügig gestört. Ich fands super! Daumen hoch

Ja – und dann kam der Oktober und es ging tatsächlich los! Smiley

Ich habe natürlich mitgeschrieben, und hier startet nun das Reisetagebuch – fast live vom Schiff! Zwinkerndes Smiley

 

Tag 1 – Savona

Der Wecker klingelt um 5:30. Autsch – nicht eben das, was ich mir unter Urlaub vorstelle. Zum Glück hatten wir das Gepäck schon am Abend vorher aufgegeben, sonst hätten wir noch früher raus gemusst.

Die erste echte Herausforderung wartete an der Sicherheitsschleuse des Flughafens – und zwar für die Sicherheitsleute. Nach viel Geschimpfe, Gemurre und Gezetere packte der bedauernswerte Securityman dann Omas Tübchen und Tiegelchen in eine offene Plastiktüte – woher sollte sie auch wissen, dass es dafür Ziplock Tüten gibt. Omi war höchst empört und der Flughafenmitarbeiter sichtlich erschöpft, als wir dann endlich durch waren.

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Erstaunlich, wie viele Passagiere es offensichtlich nicht schaffen, rechtzeitig beim Boarding zu sein… laufend gab es „letzte“ und „allerletzte“ Aufrufe für die Passagiere XYZ, die sich bitte SOFORT an Gate wieauchimmer einfinden sollen. Wäre schon interessant, zu wissen, ob die jetzt alle ihren Flug noch bekommen haben…

Unterwegs dann typisch Oma: „Also ich esse und trinke aber NICHTS!“ Kommt die Stewardess: „Rosinenbrötchen oder Laugenstange?“ Oma: „Ein Rosinenbrötchen bitte. Und einen Orangensaft!!“ Smiley mit geöffnetem Mund

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Landung in Mailand planmäßig um 10:10 Uhr. Wo ist unser Gepäck? Ah – Band 1.

Oma: „Aber Band DREI läuft!“ Ich: „Ja, Oma, aber UNSER Gepäck kommt an Band EINS an.“ „Das LÄUFT aber nicht.“ „NOCH nicht.“ „Guck mal, Band ZWEI läuft jetzt auch.“ „Wolltest Du nicht zur Toilette???“

Endlich draußen: Hurra, wir sind im Süden! Der Regen ist WARM! Erzürnt

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Weiter mit dem Bus nach Savona.

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Nach knapp zwei Stunden Fahrt die ersten Ausblicke aufs Mittelmeer – und jetzt kommt auch die Sonne raus. Sehe ich da Palmen?? Ich glaub, ich bin im Urlaub!! Smiley

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Ein erster Blick auf die Costa Favolosa: Holy Crap, die ist GROSS!

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Das Einchecken verläuft entgegen aller Unkenrufe aber sehr gesittet und schnell – super gut strukturiert und durchgeplant, besser kann man das kaum machen.

Die Kabine ist toll: Ein riesiges Bett (mit EINER großen Decke, immerhin haben sie mich als MANN eingebucht, warum auch immer… ), Bad und Balkon. Einfach schön!

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Sicherheitsübung und dann heißt es: Leinen los!

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Savona verschwindet im diesigen Horizont. Darauf einen Campari Orange auf dem eigenen Balkon – ein Traum.

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Abendessen im Duca di Borgogna – Prunk und Glitzer, wie geil. Smiley mit geöffnetem Mund

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Allerdings muss man vorher wissen, dass die Portionen so bemessen sind, dass man auch ein 5 Gänge Menü problemlos schafft. Ganz satt waren wir nicht, aber morgen wissen wir das besser!

Jetzt ruft die Kabine mit dem Bett. Es war ein langer Tag.

Wir sind wirklich unterwegs. Unfassbar!

 

Tag 2 – Barcelona

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Der Tag fängt damit an, dass mein Handy mich verarscht und eine um zwei Stunden verschobene Uhrzeit anzeigt. Na toll – ich hatte mich schon gewundert, dass ich morgens um sechs so ausgeschlafen bin…

Zum Frühstück gibt’s ein Omelette mit Ei und Bacon, Pancakes mit Ahornsirup und reichlich frisches Obst. Auch hier gilt: Die Portionen sind absolut Weight Watchers tauglich…

Omi hat sich lieber an die vertrauten Brötchen gehalten.

Dann eine kurze Erkundung des Schiffs.

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Das Wetter wird langsam, es gab noch einen kurzen Schauer, doch jetzt kommt die Sonne.

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Einigen geruhsamen Minuten auf dem Oberdeck folgt dann der Schock beim Mittagessen: Die Freuden eines riesigen Kreuzfahrtschiffes werden hier so recht offenbar. Die heiße Schlacht am kalten und heißen Buffet – man kann kaum treten vor lauter Menschen, die in langen Schlangen beim Essen anstehen. Hat man dann endlich einen Teller voll ergattert, läuft man durch die Gegend, um einen Sitzplatz zu finden – vergebens. Irgendwann kann ich draußen zwei leere Stühle ergattern. Das Essen ist inzwischen kalt. Erzürnt Das gibt Abzüge beim Wohlfühlfaktor und bestätigt mich in der Entscheidung, das Frühstück auf die Kabine liefern zu lassen! Aber immerhin: Lecker ist das Essen trotzdem!

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Um 14 Uhr treffen sich die Ausflügler in der Grand Bar Palantino auf Deck 5, um sich für die Tagestour bereit zu machen. Barcelona wir kommen!

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Die heutige Tour laut Veranstalter:

PANORAMATOUR DURCH BARCELONA UND EINKAUFSBUMMEL

Dieser Ausflug bietet Ihnen Gelegenheit, eine Panorama- Stadtrundfahrt mit einem gemütlichen Einkaufsbummel auf eigene Faust in der Innenstadt zu verbinden. Sie fahren zunächst auf den ,,Montjuic“, wo sich die berühmten olympischen Bauten befinden. Von hier aus haben Sie einen atemberaubenden Blick über die ganze Stadt. Weiter geht es durch die für ihre eigenwillige Gestaltung bekannten Straßen in Richtung Innenstadt zur Kathedrale ,,Sagrada Familia“, deren berühmte Fassade von dem katalanischen Architekten Gaudí entworfen wurde und die heute immer noch im Bau ist (Besichtigung nur von außen). Im mittelalterlichen Teil der Stadt, dem ,,Barrio Gótico“, besichtigen Sie die Kathedrale, ein Meisterwerk katalanischer Gotik, die auf den Grundmauern einer romanischen Basilika errichtet wurde (Besichtigung nur von außen). Die Stadtrundfahrt endet in der Innenstadt, und Ihnen bleibt noch genügend Zeit zum Flanieren und Einkaufen (ca. 1 Stunde). Rückkehr zum Hafen.

Erst mal: Kompliment an die Leute von Costa – die Logistik bei den Ausflügen läuft wie geschmiert! So viele Leute reibungslos abzufertigen erfordert einiges an Planung, aber hier zeigt sich dann doch die Professionalität der Planungsteams.

Fein säuberlich nach Sprachen und Ausflügen getrennt und in entsprechende Busse verfrachtet geht es auf die Tour durch Barcelona. Der Guide spricht abwechselnd Deutsch und Italienisch und vor allem ununterbrochen: „Links sehen sie die Häuser von Gaudi, also zwei Häuser, andere beide nix Gaudi. Einige Meter weiter, nur wenige Meter, ist Museo de Picasso, für wenn haben mehr Zeit, viel mehr Zeit! Verkehr in Barcelona ist perfecto, alle Straßen eine Richtung: Straße von Nord nach Süd, nächste Straße Süd nach Nord, nächste Straße Nord nach Süd, nächste Straße Süd nach Nord!“ Und dann das Ganze nochmal auf Italienisch, und stets vorgebracht im Tonfall von „hieeer ist der billige Jacob!!“. Auf Dauer zerrt das etwas am Nervenkostüm, aber man muss dem Mann eins lassen: Seinen Text hat er gelernt! Er weiß, wovon er spricht und kann auch Nachfragen kompetent beantworten.

Witzigerweise verstehe ich auch den italienischen Text – da kommen Spanisch und Latein wohl wieder raus. Und auch mein Spanisch ist auferstanden, so dass ich in einem Anfall von Größenwahn unseren Guide (ein waschechter Barcelone!) auf Spanisch bitte, doch etwas langsamer zu machen, da meine Oma 87 Jahre alt ist und nicht mehr so schnell kann. Prompt kommt die Quittung in Form einer Antwort, die grob übersetzt in etwas lautet: „Wasichbinzuschnellichbindochgarnichtschnellaberwenndeineomasoalti stmacheichlangsamer!“ Jeder, der einen Spanier kennt, weiß, was ich meine… Zwinkerndes Smiley

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Mit einigen Fotostops gibt es einen Schnellüberblick über die Geschichte Barcelonas.

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Ein großer Teil der Tour ist natürlich der fabelhaften Sagrada Familia gewidmet. Das ewige Bauwerk soll angeblich bis 2023 doch noch fertig werden – na ich bin gespannt!

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Beim Stop in der City hole ich dann auch pflichtschuldig meinen Länderpunkt. Oma will ein Eis und fällt rückwärts aus den Schuhen, als sie sieht, dass die Kugel hier 2,20€ kostet. Tja – Touristenhochburg! 😀

So langsam werden die Teilnehmer unruhig – viele haben Tischzeit um 18:45, um 19 Uhr heißt es „alle an Board“ und um halb acht „Leinen los“. Inzwischen ist es viertel vor fünf und es steht noch eine zweite Pause an der Kathedrale der Innenstadt an. Um 17:15 fehlt dann auch prompt ein Päärchen – hier zeigt sich dann deutlich der kulturelle Unterschied. Während die Deutschen im Bus anfangen, unruhig hin- und her zu rutschen, sind die Italiener komplett entspannt und meinen nur ganz trocken: „Die fahren schon nicht ohne uns!“

Und natürlich sind wir dann auch pünktlich an Board, wenn auch nicht ganz pünktlich beim Essen.

Heute sind wir klüger und bestellen die Karte einmal rauf- und runter. Siehe: Man kann das Restaurant auch satt verlassen! Cooles Smiley

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Noch fix ein Abstecher in den Shop, um für Oma ein Haarspray zu besorgen. Auf dem Rückweg komme ich an der Bar vorbei, in der getanzt wird und beobachte, wie einer der Tanzlehrer vergeblich versucht, eine Frau aufzufordern. Sie ziert sich. „Ich kann nicht tanzen“. Da gehen dann die Pferde mit mir durch: „ICH ABER!“ brülle ich, drücke der verdutzen Zauderin Tasche und Haarspray in die Hand, schnappe mir den genauso verdutzten Tanzlehrer und schwupps haben wir sie alle vom Parkett gefegt, ich in Jeans und Cowboyhemd, mit einem erstklassigen Wiener Walzer, der die ganzen Tussis im Abendkleid noch älter aussehen lässt … Smiley mit herausgestreckter Zunge

 

Tag 3 – Palma de Mallorca

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Pünktlich zum Sonnenaufgang trifft das Schiff in Palma ein. Wie bestellt schiebt sich ein Segelschiff zwischen die Insel und die aufgehende Sonne – Postkartenkitsch hoch drei, aber so schön!

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Das Frühstück nehmen wir wieder in der Kabine ein, aber diesmal deutlich früher – Abfahrt ist schon um neun. Auf der Agenda stehen heute die Drachenhöhlen:

DIE DRACHENHÖHLEN

Der Ausflug beginnt mit einer Fahrt zu den Drachenhöhlen, einer der interessantesten Höhlenkomplexe, der aus vier großen Höhlen und mehreren unterirdischen Seen besteht. Die magische Atmosphäre wird noch durch ein Konzert eines Orchesters, das auf erleuchteten Booten spielt, unterstrichen. Die nächste, sehr schöne Station unseres Ausflugs wird Manacor sein, die zweite Stadt der Insel, die in der ganzen Welt für ihre Perlenverarbeitung bekannt ist. Hier haben Sie die Möglichkeit, die Fabrik zu besuchen und die verschiedenen Phasen der Perlenherstellung kennen zu lernen. Da die Drachenhöhlen unterirdisch und viele Wege nicht nur stufig, sondern auch nass und rutschig sind, werden bequeme Laufschuhe empfohlen. Dieser Ausflug wird nur bei Halbtagesaufenthalten angeboten. Ein Besuch in einer Perlenfabrik ist obligatorisch.

Die Menschenmassen halten sich heute in Grenzen, viele Gäste scheinen Palma auf eigene Faust zu erkunden. Unser Bus ist nicht ganz voll besetzt, dafür wieder zweisprachig: Neben Deutsch parliert unser Guide Simone auch auf Französisch.

Palma hat wirklich zwei Gesichter: Einmal die wunderschönen, alten Bauten, die beeindruckende Kathedrale (von Gaudi aufgehübscht), die Stadtmauer – und dann die hässlichen Betonklötze überall, Hotel an Hotel an Hotel. Schön ist anders!

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Wir verlassen die Stadt in Richtung Ostküste. Erkenntnis eins: Fotos aus dem fahrenden Bus heraus zu schießen ist nicht einfach. Erkenntnis zwei: Wenn der Busfahrer fährt, wie ne gesengte Sau, wird’s nicht einfacher! Erzürnt

In Manacor gibt es einen Zwangsstopp an der Perlenmanufaktur Majorica. Angeblich die älteste Fabrik für die Herstellung der weltbekannten Mallorca Perlen – aber ein Blick hinein reicht, um zu sehen: Vor allem ist das ein ganz wunderbarer Ort, um Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ehrlich, das habe ich in jeder Teppichknüpferei in der Türkei schon liebevoller gesehen.

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Also gehe ich schleunigst wieder raus aus der Neppbude und spiele stattdessen lieber etwas mit der Kamera.

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Der nächste Cache ist zwei Kilometer weg – schade, das reicht nicht!

Weiter geht’s nach Porto Christo in die Drachenhöhlen. Und hier wartete dann die Entschädigung für den Reinfall mit den Industrieperlen: Ein Zuckerbäckermärchen in Kalkstein.

Meter um Meter windet sich der Weg durch die Höhle, Halle folgt auf Halle, Gang auf Gang, überall Tropfsteingebilde in allen Formen und Größen. Als hätte sich ein verrückter Künstler als Naturgaudi versucht und die gesamte Höhle mit abstrakten Formen und Figuren überzogen. Dräut dort ein Drache? Lugt dort ein Troll aus steinernem Wald, der eine Elfe verfolgt? Träte ein Einhorn aus einem der vielen Gänge – es würde mich nicht wundern!

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In einem riesigen, natürlichen Amphitheater machen wir Halt, das Licht erlischt und über einen großen unterirdischen See nähern sich langsam beleuchtete Gondeln. Darauf: Musikanten, die live ein Geigenstück von Chopin spielen – zum Heulen schön.

Ich fühle mich einmal mehr in „Die Reise ins Labyrinth“ versetzt und warte darauf, dass David Bowie als Koboldkönig hereinkommt. Hey – ich wüsste da auch ein, zwei Kinder, die ich ihm mitgeben würde, damit sie die wunderschöne Darbietung nicht weiter stören… Cooles Smiley

Tief beeindruckt machen wir uns auf den Heimweg. Am Hafen noch ein Versuch, einen Cache zu heben: Aber die Dose ist buchstäblich besetzt. Sie liegt unter einer Bank in einer Wartehalle, und drauf sitzen mindestens vier Leute. Doof. Trauriges Smiley

Kurz vorm Abendessen heißt es: Leinen los. Mallorca verschwindet am dunstigen Horizont, wir nehmen Kurs auf Malta. Zwei Tage offenes Meer ohne Handyempfang – hm, seltsam. Weniger wegen Facebook und Co, sondern mehr, weil ich den Liebsten jetzt nicht mehr per WhatsApp erreichen kann. Trauriges Smiley

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Zu allem Überfluss ist das Tanzen heute Abend ein Reinfall. Die Tanzlehrer sind nur ganz kurz da, der Tanzlehrer heißt Andrea und fordert mich zwar auf, aber ausgerechnet zu einem Paso Doble. Danke – ein Lied lang Grundschritt. Und das wars. Trauriges Smiley Danach schaue ich dreißig Minuten anderen Paaren beim Tanzen zu und bekomme langsam aber sicher schlechte Laune. Also lieber noch einen Cocktail geholt und ab ins Bett.

 

Tag 4 – auf See

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Fängt erst mal langweilig an. Das Frühstück hatten wir viel zu spät bestellt, also Anruf beim Roomservice: „Wir sind schon wach, könnt ihr uns bitte vorm Verhungern bewahren??“ Konsequenz: Wir bekommen das Essen nicht vom üblichen Kabinensteward mit einem Lächeln und einer Rose, sondern von einer sichtlich genervten Stewardess und ohne Blumen. Böse, was müssen wir auch Extrawünsche äußern!

Dann auf Deck. Was nun??

Mangels Alternativen kommt Oma auf den klugen Gedanken: „Hol doch mal noch so einen Mojito, der war doch lecker!“ Öhm, gut, es ist halb elf, aber warum nicht! Smiley mit geöffnetem Mund

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Eine halbe Stunde später folgt dann Omas bekanntes: „Ich hab einen im Teeeeee!“. So süß. Smiley mit geöffnetem Mund

Ich lasse sie bei unseren Tischnachbarn zurück, mit denen wir uns inzwischen angefreundet haben. Während die Damen Kaffekränzchen halten, tigere ich in die neun, wo Remmidemmi angesagt ist. Verdammt, ich HASSE Gruppentänze! Erzürnt Jetzt gibt es hier wieder coole Tanzmusik (Salsa!) und auf der Fläche eine Horde von Italienern, die synchron die Hüften schwingen á la Macarena. Danke auch. Trauriges Smiley

Ich gehe Frustshoppen! Zwinkerndes Smiley

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Mit ein bisschen Bling Bling und einem neuen Duft lässt sich doch alles gleich viel besser verkraften. Zwinkerndes Smiley

Zurück zur Oma. Die drei Damen vom Grill haben inzwischen beschlossen, dass sie ja noch eine Flasche Sekt in der Kabine unserer Tischnachbarn haben. Die stiften also den Sekt, wir die Außenkabine. Kurz darauf sitzen wir bei uns auf dem Balkon und süppeln Prosecco. Es ist inzwischen ja auch schon halb eins… Daumen hoch

Keine Frage… Oma hat bald wieder „einen im Teeeee“. Smiley mit geöffnetem Mund

Nachmittags ein Vortrag über Hintergründe und Insiderwissen über das Schiff. Interessant, aber nicht wirklich erschöpfend. Das, was NICHT erwähnt wurde, hätte mich mehr interessiert… Danach ein Blick auf den Tangokurs: So langsam bekomme ich Depressionen, wieder coole Tanzmusik, aber immer noch kein Tanzpartner! Zähnezeigendes Smiley

Abends dann das Captains Gala Dinner. Ein Witz – der einzige Unterschied war, dass die Speisekarte heute als zusammengerolltes Pergament kam. Vom Captain haben wir nix gesehen und unser Kellner geht mir zunehmend auf die Eier… Erst hieß es: „You’re beautiful“, „You’re special“, „You look amazing“ und „I love your smile.“ Dann habe ich mehr oder weniger dezent meinen Gatten in den Raum geworfen, nun versichert er mir jeden Tag, was für ein Glück der Holde doch hat. Ärger machen will ich nicht, aber langsam nervt’s.

Immerhin: Nach dem Essen wird der Tag dann noch richtig gut. Ich schleiche mich in den Tanzsaal und Wunder über Wunder: Andrea fischt mich sofort aus meinem Sessel und gibt mich erst mal nicht mehr her. 6 Tänze, davon 5 mit mir, beleidigte Gesichter bei einigen anderen Damen – fein, so muss das sein. Smiley mit herausgestreckter Zunge Danach muss er weg, aber da sich inzwischen rumgesprochen hat, dass ich NICHT über meine eigenen Füße falle, werde ich danach sogar noch von anderen Herren aufgefordert. Geht doch! Damit steigt meine Laune erheblich – man kann mich manchmal seeeehr einfach glücklich machen! Mein Gott, das Tanzen hat mir so gefehlt! Smiley

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Tag 5 – La Valetta

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Nachts gehe ich kurz raus auf den Balkon und ich denke, mich trifft der Schlag: Waschküche ist nichts dagegen. Mitten in der Nacht deutlich über 20 Grad und gefühlte 60% Luftfeuchtigkeit. Na das kann ja heiter werden!

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Und richtig, am nächsten Tag hats 31°C im Schatten. Oma kommt da erstmals an ihre Grenzen – für die Temperaturen ist sie nicht mehr gemacht. Zum Glück haben wir eine Tour gebucht, bei der man nicht viel laufen muss.

DIE BLAUE GROTTE & ZUGFAHRT

Wie beginnen unsere Tour mit einer Panoramafahrt durch verschiedene Dörfer bis zur „Blauen Grotte“, die sich in Wied iz-Zurrieq befindet. Sie werden die Gelegenheit haben einen traumhaften Blick auf die natürlichen Felsen von Wied iz-Zurrieq zu werfen und Zeit haben Fotos zu machen. Dann geht es weiter zu den Booten, von wo aus Sie eine herrliche Bootsfahrt durch die beeindruckenden Höhlen machen und die bunten Korallen, die sich im klaren Wasser gebildet haben bewundern können. Danach setzen wir unseren Ausflug im Bus nach Marsaxlokk, einem Fischerdorf, fort. Hier werden Sie das malerische Dorf von Marsaxlokk in ca. 30 Minuten an Bord eines „Fun Train“, eines kleinen Zuges, entdecken. Während der Fahrt werden Sie interessante Information bekommen. Danach geht es zurück zum Schiff.
Achtung
Der Ausflug wird nur in englischer oder italienischer Sprache gehalten.

Eine knapp halbstündige Busfahrt bringt uns zur blauen Grotte – wo wir erfahren, dass die Strömungsverhältnisse heute so sind, dass die Boote nicht fahren. Und da wir hier in einem halb arabischen, halb afrikanischen und eigentlich nur auf dem Papier europäischen Land sind, hat es niemand für nötig gehalten, die Costa Crew zu informieren.

Unserem Guide Ana ist das sichtlich unangenehm, zumal gerade der deutsche Teil der Gruppe doch ziemlich erbost ist. Hier treffen mal wieder Mentalitäten aufeinander: Das war so geplant, das hat gefälligst auch so statt zu finden! Immerhin: Das Geld für die Bootstour gibt es zurück. Mit der Info beruhigt sich der Pöbel. Zwinkerndes Smiley

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Nach dem Reinfall geht es weiter in das Fischerdorf Marsaxlokk und dort mit der Bummelbahn zwanzig Minuten durch die Innenstadt. Inzwischen haben sich die deutschen Teilnehmer alle um uns geschart, weil sie gemerkt haben: Hier gibt’s eine Simultanübersetzung (Die Tour war nur auf Englisch buchbar). Lustig. Smiley mit geöffnetem Mund

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Die Bahn hat in etwa die Federung einer spätmittelalterlichen Kutsche und die Straßen sind auch im selben Zustand. Wer dritte Zähne hat tut gut daran, sie fest zu halten – aber lustig ist es trotzdem. Neben vielen Infos über das Dorf gibt es auch massig Historisches über Malta, in etwa: „Erst wurden wir von den Phöniziern besetzt, dann von den Griechen erobert, die wurden von den Cartaniern verjagt, die dann den Römern weichen mussten, bis diese von den Arabern geschlagen wurden. Dann kamen die Normanen, die Aragoner, die maltesischen Ritter die Franzosen und zum Schluss die Engländer.“ Bis heute kann man auf Malta auch in englischen Pfund zahlen.

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Zurück zum Schiff zieht es die Oma erst mal in die klimatisierte Kabine, während ich den wohlverdienten Länderpunkt loggen gehe. Noch ein kurzer Ausflug in die Souvenirläden und dann ein paar Stunden am Pool – herrlich. Wenn auch fast schon zu heiß. Aber ich will mal nicht meckern … schließlich liegt in München Schnee und da habe ich mit 31°Grad im Schatten wirklich Luxusprobleme… Zwinkerndes Smiley

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Sobald wir den Hafen verlassen, merken wir zum ersten Mal bei dieser Fahrt, dass wir uns auf einem Schiff befinden: Es SCHAUKELT! Zwar nur ganz wenig, aber die flache aber lange Dünung sorgt dafür, dass selbst der große Pott sich bewegt. Es reicht nicht, um die Seife im Bad ins Rutschen zu bringen, aber immerhin. Anfänglich ist sich mein Körper noch nicht ganz sicher, ob er das nun gut findet, und ich überlege ernsthaft, mir beim Customer Service vorbeugend ein paar Tabletten zu holen. Aber nach dem zweiten Glas Wein beim Dinner fühlt es sich ganz natürlich an. Zwinkerndes Smiley

Nach dem Abendessen (mit einem heute sehr distanzierten Kellner, nu bin ich ja trotz allem auch ein bisschen beleidigt, typisch Frau! Smiley mit geöffnetem Mund) erst mal eine Runde Polka: Hacke Spitze, Hacke Spitze einsundzweiunddreiundvier. Jeehaw! Smiley mit geöffnetem Mund Und danach: Ich habe es getan. Ich habe eine private Tanzstunde bei Andrea gebucht. Der hat mich auf meine Frage hin ziemlich verblüfft angeguckt: „But you don’t need a dancing lesson!“ Meine Antwort war: „Right – but I need somebody to dance with me!“

Das ist das erste Mal, dass ich jemanden fürs Tanzen bezahle und irgendwie fühlt es sich an, als würde ich in den Puff gehen – aber hey, das wird mich überhaupt nicht davon abhalten, es morgen zu genießen! Zwinkerndes Smiley Und dem guten Andrea habe ich einen Zahn auch gleich gezogen: „Don’t worry… it WILL be WORK!“ Smiley mit herausgestreckter Zunge

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Tag 6 – Catania

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Frühstück um 7. Catania begrüßt uns in fast mystischem Licht, überragt vom Ätna.

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Nach dem Frühstück geht es auf in „Das Landgut der Maulbeerbäume“

CATANIA UND DAS LANDGUT DER MAULBEERBÄUME

Nachdem Sie den Hafen von Catania verlassen haben, werden Sie sich zu dem “Landgut der Maulbeerbäume” begeben, welches am Hang des Ätna liegt. Dieses eindrucksvolle Landgut einer alten sizilianischen Familie, erstreckt sich auf 65 Hektar und ist mit Zitrus- und Olivenbäumen bepflanzt. Das „Landgut der Maulbeerbäume“ wurde Anfang des 8. Jahrhunderts dank der Fähigkeit des Barons Franz Mannino berühmt, welcher ein geschäftstüchtiger Unternehmer und Geschäftmann war, der einen blühenden Handel von Zitrusfrüchten und Wein nach Nordeuropa und Amerika aufbaute. Da die Nachkommen des Baron Franz nicht fähig waren diesen Grundbesitz zu verwalten, wurden viele Besitztümer verkauft. Der Erbe der Familie, Baron Giuseppe hat heute dem Gut den schon verloren gegangenen Glanz zurückgegeben und einen neuen blühenden Handel auf internationaler Ebene aufgebaut. Auf dem Landgut wird es Ihnen möglich sein, Zitruspflanzen, einige Säle des herrschaftlichen Gehöfts und die Kelterei zu besichtigen. Außerdem werden Sie die Möglichkeit haben, einige der typischen Produkte des Gehöfts zu probieren. Nachdem Sie das Landgut besichtigt haben, geht die Fahrt weiter nach Catania, einer wunderbaren barocken Stadt, welche inmitten der Ebene des Ionischen Meeres und dem eindrucksvollen Ätna, dem größten Vulkan Europas, liegt. Bei einer Fahrt mit dem Bus werden Sie die eindrucksvollsten und charakteristischsten Sehenswürdigkeiten von Catania bestaunen. Sie werden entlang der Via Etnea, geschmückt von Palästen, fahren und die Piazza Stesicoro passieren, wo sich das Monument zu Ehren Vincenzo Bellini befindet. Des Weiteren werden Sie die Überreste des römischen Amphitheaters betrachten, dessen Dimensionen gegenüber des Kolosseums nur wenig nachstehen. Während eines kurzen Stopps im Zentrum Catanias wird die Kathedrale zu Ehren S. Agata und die Piazza Università besichtigt, bevor Sie etwas Freizeit zur Verfügung haben, um die belebteste Zone der Stadt zu genießen.

Catania hat in etwa den Charme einer Litfaßsäule. Da kann der Guide noch so oft begeistert von den vielen tollen Palazzos im Barockstil erzählen – das täuscht nicht darüber hinweg, dass die Stadt ganz schön runtergekommen ist. Trotzdem sind einige Gebäude beeindruckend.

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Ebenfalls negativ fallen die vielen Bettler auf, die teilweise ziemlich aggressiv vorgehen. Der Guide erklärt verächtlich, dass es sich hierbei um „Zigeuner“ handelt, nicht etwa Catanier. „Viele Catanier sind auch arm, aber sie betteln nicht! Zigeuner gibt es überall auf der Welt – die Söhne des Windes!“ Wenn ich die tiefe Verachtung in seinen Worten höre, entwickele ich tatsächlich etwas Verständnis für die „Zigeunersaucendebatte“ in Deutschland. Für uns mag das Wort neutral oder wildromantisch sein. Hier im Süden ist es offensichtlich ein sehr böses Schimpfwort!

Nachdem das obligatorische vermisste Pärchen glücklich am Bus angekommen ist, geht es weiter zum „Landgut der Maulbeerbäume“. Maulbeerbäume habe ich keine gesehen, dafür ist das Anwesen umgeben von Orangenhainen. Wir verkosten roten und weißen Wein (allmählich gewöhne ich mich daran, dass es schon vormittags den ersten Alkohol gibt!), probieren dazu Käse, Salami und Orangenmarmelade. Ich erschrecke eine riesige Eidechse fast zu Tode, als ich mich auf eine Steinbank setze, auf der sie nichtsahnend in der Sonne liegt.

Es riecht nach Hitze und trockenem Gras und der Ort strahlt eine wohltuende Ruhe aus.

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Trotzdem müssen wir zurück zum Schiff. Vom Ätna her ziehen langsam auch Wolken auf. Und die Costa verlässt Catania schon gegen 14 Uhr, um auf die vorletzte Etappe vor unserer Ausschiffung zu gehen.

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Die Tanzstunde ist – ein Traum. Erst etwas verkrampft. Aber nachdem ich Andrea sage: „Please – RELAX! And try to have some FUN!“ fluppt es dann. Einmal toben quer durch den Tanzgarten – herrlich. Gott, habe ich das VERMISST! Und ich lerne auch noch was. Andrea ist nicht nur ein brillanter Tänzer, er ist auch ein brillanter Lehrer. Ich lerne Bacchata und einen typisch italienischen Tanz, der Polka ähnlich. Und ich höre, dass ich an meiner Körperspannung arbeiten und nicht so lasch in der Haltung sein soll. Uwe, you hear me?!? Ist ja nicht so, als hätte man mir das noch nie gesagt… Smiley mit herausgestreckter Zunge Aber zwischendurch fängt er an zu grinsen und zu toben – SO übel kann es also nicht sein. Zwinkerndes Smiley

Am Ende der Stunde sind wir beide höchst verschwitzt, entspannt und glücklich. Ach, Scheiß drauf – das machen wir morgen noch mal! Smiley

 

Tag 7 – Neapel / Capri

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Wo bitte ist die Zeit hin? Heute ist der letzte Tag, der letzte Ausflug. Und in Deutschland liegt Schnee! Trauriges Smiley

Neapel im Morgenlicht.

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Die Guides entführen uns nach Capri.

CAPRI MIT DER SEILBAHN

Sie fahren im Tragflächenboot aus dem belebten Hafen Neapels hinaus, den imposanten Vesuv hinter sich lassend. Während der ca. 45-minütigen Fahrt können Sie die unglaubliche Schönheit des Golfs von Neapel bewundern und allmählich die Insel Capri mit ihren zerklüfteten Küsten und den steil aus dem Meer aufragenden Felsen in Ihrem Blickfeld auftauchen sehen. Die Schönheit und Faszination der Insel hat im Laufe der Jahrhunderte sowohl die römischen Kaiser Augustus und Tiberius (die sich hier viel aufgehalten haben), als auch zahlreiche Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle bezaubert, die sie im 19. Jahrhundert für sich entdeckten. Nach der Ankunft im Hafen Marina Grande erreichen Sie mit einer Seilbahn innerhalb weniger Minuten den Hauptort der Insel. In Begleitung Ihres Reiseleiters kommen Sie auf die berühmte „Piazzetta“, einen regelrechten Salon unter freiem Himmel, der mit den ihn säumenden charakteristischen Bauten und den zu jeder Stunde gut frequentierten Bars das Herz des mondänen Lebens der Insel ist. Sie kommen durch die Via Tragara mit ihren Luxushotels und historischen Villen, bevor Sie zur Parkanlage Giardini di Augusto gelangen, von deren Aussichtspunkt Sie einen bezaubernden Blick auf die Bucht der Marina Piccola und auf die Faraglioni – das weltberühmte Wahrzeichen der Insel – genießen können. Am Ende der Besichtigungen haben Sie Zeit, um ein paar Erinnerungsfotos zu schießen, durch die Gassen des Zentrums zu bummeln und vielleicht ein paar Käufe zu tätigen oder aber gemütlich an einem der Tische der Bars auf der Piazzetta ein leckeres Eis zu essen.

Ein Blick auf das Tragflächenboot reicht mir – es schaukelt schon im Hafen so sehr, dass mir vom Hingucken schlecht wird. Dankbar nehme ich das Angebot eines Berliner Ehepaares an und schnorre mir ein paar Tabletten gegen Schwangerschaftübelkeit. Zwinkerndes Smiley

Ob es an diesen lag oder an der wirklich ruhigen See: Ich komme ohne Magenprobleme in Capri an, obwohl die Überfahrt eine knappe Dreiviertelstunde dauert.

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Capri – ist wunderschön. Ein Felsen im Meer, die Ausblicke sind atemberaubend. Die Seilbahn entpuppt sich allerdings als „Cable Bahn“. Ich unterstelle mal einen Übersetzungsfehler statt Boshaftigkeit, aber mit Ausblick ist natürlich Essig. Der ist dafür dann von oben um so mehr zu genießen.

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Capri – ist TEUER. Sowas hab ich noch nicht gesehen. Kaffee für 5 – 6 Euro, Handtaschen für 1.500 … halloooo? Wer kauft denn sowas?? Selbst wenn ich das Geld HÄTTE, würde ich mir keine Gummistiefel für 450€ leisten!!

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Wir erkunden die völlig überfüllte Innenstadt, kaufen ein paar Andenken in einem der Geschäfte für Otto Normalverbraucher und ich werde langsam nervös: Eigentlich hieß es, wir sind um eins spätestens zurück. Meine Tanzstunde ist um zwei. Ich hätte es allmählich besser wissen müssen, aber mein deutsches Gemüt ist immer noch der Meinung, das Zeitpläne verbindlich sind… Punk

Pünktlich um viertel vor zwei bin ich wieder am Schiff und schaffe es sogar noch zu duschen, und mich umzuziehen, bevor ich nochmal hopsen gehe. Smiley Ach Himmel – DAS werde ich vermissen!

Viel zu schnell ist der Tag vorbei. Unser Steward hat uns eine Flasche Sekt in die Kabine gestellt mit einem handgeschriebenen Dankeschön Zettel. Und den haben NICHT alle bekommen – weder den Sekt, noch den Zettel. Wir scheinen also neben einem guten Trinkgeld auch einen guten Eindruck hinterlassen zu haben!

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Und damit neigt die Reise sich dem Ende zu. Wir packen die Koffer, morgen bis acht Uhr müssen wir die Kabine räumen, um 10:45 ist Ausschiffung. Wo ist nur die Zeit geblieben?

 

Tag 8 – Savona / Ausschiffung

Die Koffer wurden schon am vorherigen Abend abgeholt. Früh sitzen wir in der Grand Bar Palantino und gucken ziemlich bedröppelt aus der Wäsche. In Düsseldorf regnet es. Na da habe ich ja Lust drauf! Trauriges Smiley

Die Ausschiffung erfolgt genauso gut organisiert wie die Einschiffung, ich drücke die Leute, die mir ans Herz gewachsen sind und schon sitzen wir im Bus nach Milano.

Der Busfahrer hat es wohl eilig, einige Gäste sind etwas blass um die Nase – mir doch egal. Trauriges Smiley

Bald verlassen wir den sonnigen Süden.

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20:20 Flughafen Düsseldorf. Der Regen hat uns wieder.

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Ich habe ein Kratzen im Hals von der Klimaanlage und einen Kloß an der selben Stelle vor Traurigkeit. Die Zeit auf der Costa war wunderschön. Die Menschen toll. Das Wetter super. Ich will zurück aufs Schiff! Smiley

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Lustig ist das Zigeuner… hupps, sorry!!!

Selten der Fall, dass ich mich zu solchen Brandthemen zu Wort melde. Aber irgendwie berührt es mich diesmal. Denn nach über zehn Jahren im Bereich psychologische Gesprächsführung und Beschwerdemanagement, sehe ich die Dinge natürlich aus den Augen des Theoretikers – und das bietet eine Menge Analysepotential. Smiley

Es geht um die derzeit heiß umstrittene Zigeunersauce.

Die einen sehen in ihr eine bunte Paprikasauce, leicht scharf.

Die anderen eine Beleidigung eines ganzen Volksstammes.

Wer hat nun Recht?

Aus Sicht des Konfliktmanagers: Beide!

Ich möchte hierbei auf ein wunderbares Bild vom Coach Rudi Rhode zurück greifen. Im Rahmen eines Seminars stellte er zwei Teilnehmer vor eine Wand, jeden auf eine Seite, auf der etwas gemalt war – sagen wir ein rotes Männchen. Und die beiden sollten sich darüber verständigen, was sie sehen.

Person A sagt also: “Ein rotes Männchen.”

Person B: “Richtig.”

Und dann war Schluss mit den Gemeinsamkeiten.

Person A sah einen Hut, einen Bart und Hasenzähne. Person B eine Brille, lange Haare und eine Krawatte. Und jeder versuchte, den anderen davon zu überzeugen, dass SEINE Sicht richtig sei.

Aber wer hatte Recht?

Die Lösung: BEIDE. Denn auf der einen Seite der Wand war ein rotes Männchen mit Hut und Bart und Hasenzähnen gemalt, auf der anderen Seite eins mit Brille, langen Haaren und Krawatte.

Und so lange ich mich auf MEINE Seite der Wand beschränke, KANN ich nicht verstehen, warum der andere etwas völlig anderes sieht!!

Was muss ich also tun? Ich muss einen Schritt zurück treten, um die Wand herum gehen und mir das Bild AUS DER SICHT DES GEGENÜBERS anschauen. Denn dann fällt mir auf: “Hoppla – STIMMT. Aus DEINER Sicht – hat Dein Männchen Hut und Bart und Hasenzähne!” Und dann kann ich den anderen bei der Hand nehmen und ihn um die Wand herum führen und ihm MEINE Sicht der Dinge erklären: Schau mal: HIER hat das Männchen eine Brille, lange Haare und Krawatte!

Die Wahrheit ist nie eine absolute. Und das Männchen kann aus unterschiedlichen Perspektiven einfach anders aussehen – obwohl es in beiden Fällen rot ist!

Jetzt mal Butter bei die Fische und Klartext im aktuellen Fall: Für MICH ist der Begriff “Zigeunersauce” kein Problem! Ich assoziiere “Zigeuner” mit “Freiheit”, “Wildheit” und “Abenteuer”. Es hat für mich den Hauch von Lagerfeuer und Robin Hood, Cowboyromantik und Fernweh inklusive. Und ich wage zu behaupten, dass ist es, was auch die Werbeindustrie mit dem Namen bezweckt: Eine Assoziation mit unendlichen Wäldern und fahrendem Volk, vor Kutschen gespannten Pferden und goldbereiften Wahrsagerinnen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie die Sauce als “nach einer als kriminelle Randgruppe verschrieene Bevölkerungsgruppe benannt” verkaufen möchten.

Das ist MEINE Seite der Wand.

Ein Roma oder Sinti mag das ganz anders sehen. Denn in deren Kreisen, so habe ich mir sagen lassen, gilt das Wort “Zigeuner” als Schimpfwort. Und auch in einigen anderen Bereichen denken einige, die Zigeuner hören, nicht an Robin Hood, sondern mehr daran, ihr Auto gründlich abzusperren.

Möchte ich, als jemand, der direkt betroffen ist, ein weitverbreitetes Produkt mit einem Namen benannt wissen, der mich in meinem Zugehörigkeitsgefühl kränkt?

Es ist schwer, mich da hinein zu versetzen, die andere Seite der Wand nachzuvollziehen. Aber ich führe mir vor Augen, dass MEINE Wahrheit eben nur EINE Wahrheit ist und suche nach Vergleichen.

Ich bin Deutsche mit schwieriger Vergangenheit. Ich reagiere einigermaßen empfindlich auf das Thema … eine Mischung aus Schuldgefühl und Genervtheit, weil ich ja nun wirklich nichts dafür kann, was vor guten 50 Jahren vorgefallen ist…

Jetzt stelle ich mir vor, ein leckeres Brot aus Deutschland würde in einem anderen Land als “Nazi Brot” verkauft.

Hoppla. Plötzlich hat mein rotes Männchen auch eine Krawatte!

Ja, ich KANN verstehen, dass ein Roma oder ein Sinti, der mit dem Begriff “Zigeuner” nix Positives verknüpft, mit eben diesem Begriff auch nicht in Verbindung gebracht werden möchte. Ja, den Begriff eigentlich getilgt sehen will!

Und mir wird klar: Auch hier gibt es wieder ZWEI Wahrheiten, nicht nur eine!

Was ist denn jetzt die Moral der Abhandlung?

Für mein Verständnis: Wir haben hier wieder mal die wunderbare Gelegenheit zum Dialog. Smiley

ICH kann erklären, warum “Zigeuner” überhaupt kein schlimmes Wort für mich ist, und warum ich Zigeunersauce mit Lagerfeuer und Strandabenden verbinde. Mein Gegenüber kann erklären,  warum er zwar ein Zigeuner IST, aber keinesfalls so genannt werden möchte, um sich von den Kriminellen gleichen Namens abzugrenzen.

Im privaten Bereich würde es reichen, es so stehen zu lassen – Wahrheiten können nebeneinander existieren, so lange man bereit ist, sie anzuerkennen. Ich bin ok – Du bist ok. Und Recht haben wir beide, ohne die Wahrheit des anderen deshalb herab zu würdigen.

Im rechtlichen Bereich wird das schwieriger – da muss ja alles in Schemata gepresst und in Regeln gesetzt werden. Recht ist oft eindimensional – da bleibt kein Platz für unterschiedliche Sichtweisen.

Wenn  ich entscheiden MÜSSTE, dann würde ich mich dafür entscheiden, den Begriff “Zigeunersauce” zu streichen, obwohl MEINE Wahrheit die andere ist – denn im Zweifelsfall sollten die Recht bekommen, die sich durch den Begriff verletzt oder angegriffen fühlen.

Aber die Richter KÖNNEN es nicht jedem Recht machen – irgendjemand wird beleidigt sein, entweder die Zigeuner, die den Begriff negativ assoziieren, oder die, die sich denken: “Verdammt, die Sauce heißt seit Jahrzehnten so!”

Da wünsche ich dann allen Beteiligten nur, dass sie daran denken, dass es in diesem Fall mal nicht um die Wurst geht – sondern nur um die Sauce dazu. Zwinkerndes Smiley

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Hansaplast Blasenpflaster

 

Nachdem der Sommer sich ja nun doch entschieden hat, eine kurze Stippvisite in Deutschland einzulegen, stand auch für mich das Thema “barfuß in den Schuhen” wieder ganz hoch im Kurs.

Mein Problem: Ich neige dazu, mir schnell Blasen einzuhandeln.

Also kam mir der Test der Konsumgöttinnen gerade Recht. Die SOS Blasen-Pflaster von Hansaplast foot expert sollten auf Herz und Nieren getestet werden – nun stand einem bequemen Barfußlauf in den Schläppchen ja nix mehr im Wege!

Das Testpaket war wie immer bei den Konsumgöttinnen sehr großzügig! Herz

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Also der Schuh war jetzt nicht dabei Zwinkerndes Smiley. Aber eine große Packung der Blasenpflaster plus viele einzelne Pflasterproben, über die sich die Kolleginnen sehr gefreut haben.

Die Pflaster sind in einer praktischen Plastikbox verpackt, die super in die Handtasche passt:

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Und nun begannen sie, meine zwei Probleme…

Ich ab mit bloßen Füßen in meine Latschen, in die Sandalen, in die Turnschuhe. Keine Blasen. Treckingsandalen ohne Socken, zwei Stunden Wanderung. Keine Blasen. Absatzschuhe mit gekreuzten Riemchen auf dem Spann. KEINE BLASEN!

Es war wie verhext. Beziehungsweise, die Pflaster waren die reinste Magie: Seit ich die in der Tasche hatte, blieben meine Füße heile!! (Das ist wahrscheinlich wie mit dem Regenschirm: So lange man den dabei hat, kann man sicher sein, dass es trocken bleibt…)

Okay, also “musste” ich zu härteren Geschützen greifen – und mir neue Schuhe kaufen! (Tat mir ja seeeeehr leid! Augen rollendes Smiley )

Das hat dann auch endlich funktioniert (was tut man nicht alles für die Wissenschaft!)

Nachdem dann also doch glücklich eine Druckstelle aufgetreten war, griff ich also neugierig nach dem Blasenpflaster. Die Anwendung ist denkbar einfach: Das Deckpapier abziehen, das Pflaster fest auf die trockene und saubere Stelle (keine Cremes!) aufdrücken, das Schutzpapier abziehen – fertig!

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Sitzt sehr gut und hat sich auch erst mal prima angefühlt. Man merkt das Pflaster kaum und sieht es auch fast nicht, und beim Wiederreinschlüpfen in den Schuh habe ich sofort gefühlt, dass der Schmerz nachgelassen hat und die Druckstelle jetzt schön geschützt lag.

Soweit, so gut! Wenn es so geblieben wäre! Trauriges Smiley

ABER

keine 200 Meter weiter und knappe vier Minuten später kam der Schmerz zurück – heftiger, als zuvor!

Ein Blick zeigte Folgendes: Das linke Pflaster hatte ein dickes, fettes LOCH:

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Und das rechte hatte sich komplett gelöst und hochgeschoben:

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Die ganze Sache tat mehr weh, als vorher.

Ich habe den Versuch noch zweimal wiederholt, bis meine Pflaster alle waren. Jedes Mal das gleiche Ergebnis: Einige hundert Meter damit laufen und der ganze Zauber hat sich aufgelöst.

Das kann natürlich ganz und gar nicht der Sinn der Sache sein, schon gar nicht bei dem doch gepfefferten Preis von ca. 6€ pro Dose (5 Pflaster!).

Ich war ziemlich enttäuscht und bin dann mal den Rest des Tages barfuß gelaufen, mit den Schuhen in der Hand… Trauriges Smiley Da heißt es dann wohl wieder: Langsam einlaufen, erst mit Söckchen und wenn die Füße sich dran gewöhnt haben, dann barfuß.

Hansaplast Blasenpflaster kann ich jedenfalls leider ganz und gar nicht empfehlen. Trauriges Smiley

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Trosani Nagellack

 

Ich bin ein Friendstipsler Smiley.

Friendstips.eu rief auf zum Test des Nagellacks von Trosani. Den gibts in 6 knallbunten Sommerfarben – immerhin etwas, wenn die Sonne sich dieses Jahr schon so bitten lässt!

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Als das Paket kam, hab ich allerdings erst mal ein langes Gesicht gemacht: Ich hatte ausgerechnet orange erwischt! Erzürnt 17ml Farbe, die partout nicht zu mir passt… JEDE andere Farbe…. ach was solls, Pech! *seufz*.

Versprochen ist versprochen!

Der Lack an sich lässt sich super auftragen. Er ist von der Konsistenz her verhältnismäßig flüssig, was ich persönlich sehr mag, weil er dann nicht ganz so schnell antrocknet. Auch war die Deckkraft gleich beim ersten Überpinseln gegeben:

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Durch den breiten Pinsel lässt der Lack sich super verteilen: Hier gibt es sowohl für die Konsistenz, als auch für das Handling volle Punktzahl von mir!

Ein weiterer Pluspunkt: Der Lack trocknet wirklich schnell. Nach knappen zehn Minuten war er “klogehfest”. Zwinkerndes Smiley Durch den Eigenglanz wäre ein Überlack nicht nötig gewesen, da ich meine empfindlichen Nägel aber kenne, habe ich trotzdem abgedeckt.

Die echte Überraschung war allerdings, dass der Lack tatsächlich super haltbar ist. Ich bin was das angeht wie gesagt extrem empfindlich – bei mir splittert ALLES ab. Nagellack hält bei mir im Schnitt 12 Stunden, weil ich extrem dünne und brüchige Nägel habe. Bislang haben nur die Essie Lacke länger durchgehalten!

Hier war der Trosani Lack eine echte Überraschung: Als ich ihn nach zwei Tagen abgemacht habe (weil ich das Orange echt nicht mehr sehen konnte! Smiley mit geöffnetem Mund), war er immer noch makellos!

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Das hat mich wirklich überzeugt!

Ich werde mir den Lack definitiv holen – allerdings in einer anderen Farbe! Punk

Der Lack ist für 6,90€ (zzgl. Versand) auf der Homepage von Trosani zu erwerben. Dort findet man auch viele andere Farben sowie umfangreiches Zubehör zum Thema Naildesign. Was mir allerdings fehlt, ist eine Angabe, wo man Trosani Studios findet. Vielleicht kann hier das Social Media Team von Trosani weiterhelfen.

Von meiner Seite gibts eine klare Kaufempfehlung! Daumen hoch

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